Verliebt in Nena - Un Fukin Fassbar! Rea Garvey

Rea Garvey wurde im Mai 1973 in Irland geboren, ist also im besten Mannesalter und in Sachen Popularität auf jeden Fall auf dem seitherigen Höhepunkt seines Lebens. In Deutschland hat er als Straßenmusiker angefangen, in Kneipen gespielt und als Sänger von Reamonn ging es dann später steil bergauf. Nach deren Ende hat er aber offensichtlich alles richtig gemacht. Und seine Teilnahme als Juror in der Casting-Show The Voice Of Germany machte ihn noch bekannter und vor allem sympathischer. Mit seinem Soloalbum „Can’t Stand The Silence“ geht es dieser Tage erneut auf die Bühnen Deutschlands und des benachbarten Auslandes, vorher hat er sich aber noch Zeit für ein angeregtes morgendliches Telefonpläuschchen mit uns genommen. Seine Sprache ist ein charmanter Mix aus irischem Akzent, vermischt mit der ein oder anderen englischen Vokabel und einem Deutsch, dem man hier und da den langen Aufenthalt in Schwaben anhört. Der besseren Lesbarkeit wegen wurde das hier etwas „geglättet“.

XAVER: Guten Morgen Rea. Bist Du gerade aufgestanden, oder bist Du ein Frühaufsteher und schon lange wach?
REA GARVEY: Ich bin im Moment Frühaufsteher, aber das ist immer tagesabhängig, zur Zeit steh ich gerne früh auf.
X: Bist Du allgemein sehr diszipliniert, machst Du jeden Tag Sport und hältst Dich fit?
RG: Manchmal hab ich schon Bock auf Sport und dann ziehe ich das ein paar Monate lang durch, bis ich mein Ziel erreicht habe. Dann hab ich aber auch wieder Spaß daran, das wieder anders zu machen (lacht). Ich denke die Balance ist wichtig. Man muss Spaß im Leben haben, aber eben auch die Energie um Spaß zu haben.

X: Deine Tour steht vor der Tür, seid Ihr gerade viel am Proben dafür?
RG: Wir haben grade große Lust endlich loszulegen und üben die Songs für die Tour ein. Dieser kleine Vorgeschmack, den wir bekommen haben, als wir bei The Voice Of Germany gespielt haben, hat uns sehr motiviert. Wir hätten dann am liebsten direkt weitergespielt, aber wir müssen uns jetzt erst mal gedulden, bis die Tour losgeht. Ich überleg mir gerade auch, wie die Bühne aussehen sollte und mit welchen Songs wir anfangen sollen. Das Wissen, bald wieder vor vielen tausenden Menschen zu spielen, das ist eine Aufregung, die ich genieße.
X: Hast Du auf der Tour eine Vorband mit dabei?
RG: Ja. Aus Irland hab ich Ryan Sheridan mit dabei. Der hat einen ähnlichen Weg wie ich, hat also als Straßenmusiker und in Kneipen angefangen, und das merkt man seiner Stimme und seiner Performance auch an. Somit passt er auch sehr gut zu dem, was ich mache. Es hat mich auch zu Reamonn-Zeiten schon sehr interessiert, wer im Vorprogramm auftritt, weil ich finde, dass es eigentlich eine Gesamtshow ist. Zudem ist noch Stefanie Heinzmann mit auf der Tour dabei. Die kenn ich schon ne ganze Zeit sehr gut, wir verstehen uns und sie ist eine wahnsinnig begabte Sängerin. Wir waren hier und da auf die gleichen Festivals gebucht und haben dann ein paar Nummern zusammen gemacht und sie hat glücklicherweise Zeit und fährt die Tour mit. Und nicht zu vergessen Nick Howard, der Gewinner von Voice Of Germany. Wir haben uns angefreundet, und er hat natürlich einen heftigen Terminkalender zur Zeit, aber auch er wird bei ein paar Shows mit dabei sein.
X: Wenn ich das richtig gesehen habe, spielst Du nie mehr als drei Dates am Stück. Hat das stimmliche oder familiäre Gründe?
RG: Ich finde, so macht es mir immer noch Spaß. Wenn das so viele Konzerte am Stück sind, dann ist das irgendwann nur noch eine Last. Ich hab also schon vor ein paar Jahren entschieden, dass drei Konzerte ok sind, das mach ich mit links. Wenn ich dann wieder einen Tag frei habe, dann kann ich mich da erholen und dann wieder loslegen.
X: Und diese freien Tage verbringst Du dann bei Deiner Familie?
RG: Das ist ehrlich gesagt immer unterschiedlich und kommt auch sehr auf die Reiseroute an. Ich bin auch gerne mal nur nen Tag unterwegs, das ist ja auch eine Art Entspannung.
X: Die Tour führt auch nach Frankreich und England, hast Du da eine ähnlich große Fanbase wie im deutschsprachigen Raum?
RG: Nein. Aber es gibt gewisse Länder, wo es sehr stark ist, und es gibt Länder, wo es nicht sooo doll ist, wo wir aber live trotzdem sehr viel Spaß haben. Und wir haben diese Platte im letzten Jahr in Irland begonnen, und insofern wollte ich unbedingt, dass die Tour dann auch dort zu Ende kommt und sich der Kreis schließt. Auch wenn wir da nur kleinere Clubs voll machen - auch wenn ich einer der bekanntesten Söhne Irlands bin, der im Ausland wohnt. Und eigentlich hatten wir ja vor, dieses Jahr viel weniger zu spielen und mehr Zeit zum Schreiben zu haben, denn ich möchte bald die nächste Platte machen. Und so wie es jetzt gerade aussieht, wird es wieder ein Jahr werden, in dem man gerade mal zwei Wochen frei hat. Und wir kommen erst nicht in alle Länder, in denen die Platte erfolgreich war bzw. ist. In Österreich waren wir auf Platz vier in den Charts, viel gespielt haben wir da aber leider immer noch nicht. Ich bewundere halt auch echt Bands, die weltweit auf Tour gehen… wie die das schaffen! Ich hab nicht das Gefühl, dass ich viel Freizeit habe, und bin nur in europäischen Ländern unterwegs, aber die?? Aber nicht falsch verstehen: Ich bin glücklich mit dem was ich mache und versuche das auch zu genießen!

X: Warum hast Du damals eigentlich Deiner irischen Heimat den Rücken gekehrt?
RG: Ach, ich glaube als Musiker, muss man einfach seinen Weg gehen und da hat man oft gar keinen so großen Einfluss drauf. Als ich mit meiner irischen Band ab und an in Deutschland gespielt habe, hab ich gemerkt, dass das ein Publikum ist, das mich und meine Musik sehr mag. Und irgendwann stand ich dann eben vor der Entscheidung, wenn es mit der Musik weiter gehen soll, dann muss ich nach Deutschland. Man versucht als Musiker immer so festen Boden unter die Füße zu bekommen, dass man merkt, da verdient man genug Geld um weiter machen zu können. Und in Deutschland konnte ich dank den Shows in den Kneipen meine Miete bezahlen und ab und an ein Mädel ausführen, und das war dann schon wichtig für mich. Später hab ich dann die Jungs von Reamonn kennengelernt und dann hat der Zug schnell Fahrt aufgenommen. Und ich liebe es nach wie vor Musiker zu sein, z.B. in einem kleinen Studio in London einen Song aufzunehmen, der dann später tausende von Menschen erreicht, berührt und sie zum Tanzen bringt - das ist nach wie vor eines der schönsten Erlebnisse für mich!

X: Deine Frau ist gleichzeitig Deine Managerin. Das ist eher ungewöhnlich, man trennt das Private ja meist vom Beruflichen - habt Ihr gute Erfahrungen gemacht?
RG: Ach, wir kennen uns jetzt schon über zwölf Jahre und ich hab einfach recht früh erkannt, dass meine Frau das mit dem Management viel besser kann als ich. Ich hab zwar meine Meinung und wohl auch Ahnung, aber ich bin einfach kein guter Geschäftsmann. Und ich bin froh, dass ich für diese Sachen jemanden habe, dem ich zu 100 Prozent vertrauen kann. Sie hat ja mittlerweile eine große Firma und betreut mehrere Künstler.

X: Warst Du von Anfang an vom Voice Of Germany-Konzept überzeugt, oder hat Dich der enorme Erfolg überrascht?
RG: Vom Konzept war ich schon überzeugt, denn ich hatte ja vorher schon die Shows aus Holland und den USA gesehen, wo die Show eine Staffel früher gestartet wurde, als in Deutschland. Da wurde schon sehr deutlich, dass das nicht einfach noch eine weitere Castingshow ist und da war ich begeistert und fand das sehr spannend. Ich hab nur überlegt, ob ich das generell machen soll. Ich hab davor schon mehrere Sachen in die Richtung abgelehnt, weil ich meinen Weg seither an sich nicht im Fernsehen gesehen hab, sondern als Musiker. Und diese Fernsehsache beansprucht eine Menge Zeit. Ich hab also viel mit meiner Frau diskutiert. Den Ausschlag hat dann aber gegeben, dass eben Freunde wie Xavier mit im Boot waren. BossHoss kannte ich auch vorher schon und in Nena hab ich mich dann nach der ersten Show verliebt. Ich muss mir aber auch immer wieder sagen, dass ich Musiker und nicht so ein Fernseh-Heini bin, denn das geht schneller als man denkt. Man muss aber auch sehen, dass es eine riesige Plattform ist und ich viel mehr Leute erreicht habe, als früher. Mein Album hat Platin erreicht und ist auf dem Weg zu dreifachem Gold - ohne die Show hätte das wohl nicht geklappt.
X: Ist es denn schon entschieden, ob es in der gleichen Besetzung auch noch eine dritte Staffel gibt?
RG: Nee, das ist von keiner Seite her entschieden. Der Sender hat sich seither noch überhaupt nicht geäußert. Wenn die sich melden, hab ich immer noch genügend Zeit zum Nachdenken.
X: Hast Du mal die Voice Of Germany-Parodie bei switch gesehen?
RG: Ja, und ich fand die super. Ich finde ja auch, dass ich ganz gut weggekommen bin bei denen. Aber Parodie an sich ist ja schon das größte Kompliment, das man als Künstler bekommen kann. Und ich denke, das ist in der Show ja auch rübergekommen, ich bin ein humorvoller Mensch. Wir wollten die auch unbedingt in die Show einladen, hat aber zeitlich nicht geklappt.

X: Du hast vorhin Reamonn erwähnt: Im August 2010 hat sich Deine Band ja angeblich aufgelöst, Ihr habt das aber wohl später dementiert und von einer „Schaffenspause“ gesprochen. Gibt’s mittlerweile Pläne für eine Rückkehr?
RG: Da beschäftige ich mich im Moment gar nicht damit. Wir haben wenig Kontakt zueinander und ich glaube, jeder nimmt sich eben gerade Zeit für sich. Wir waren fast elf Jahre zusammen, das ist ne lange Zeit. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt?
X: Du spielst live wohl auch nur einen Reamonn-Song, den Du selbst geschrieben hast.
RG: Ja, stimmt. Aber da möchte ich für die Zukunft nichts ausschließen, aber im Moment soll mein eigenes Material zur Geltung kommen.

X: Das Jahr ist noch recht jung, hast Du Dir zum Jahreswechsel irgendwelche Vorsätze genommen?
RG: Ich bin an sich nicht so der „Vorsätze-Mann“, aber ich hab das Gefühl, dass 2013 das Jahr der Ergebnisse bzw. der Belohnung wird. Viele Leute in meinem Umfeld haben 2011 und 2012 extrem viel gearbeitet und jetzt wird’s Zeit für ne Belohnung. Ich geh also extrem positiv in dieses neue Jahr und es lässt sich seither auch sehr gut an!


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