Spurensuche in Zeitlupe

„Vergiftete Wahrheit“ dramatisiert den Teflon-Skandal als düsteren Wirtschaftsthriller

190 Kühe hat Wilbur Tennant schon verloren. Anfangs hat er diese hinter seinem Bauernhof in West Virginia noch vergraben. Später dann zu mehreren. Mittlerweile sieht die Wiese sieht aus wie ein Blasen werfendes Stück Land. Als würde bald was aus den Beulen platzen. Und das Unglück und der Grund für das massenhafte Sterben kommt tatsächlich aus der Erde, genauer gesagt aus dem Wasser. Denn auf der Müllhalde nebenan hat der DuPont-Chemiekonzern Giftmüll vergraben - stammend von der Teflon-Produktion.
20 Jahre alt ist der Skandal um den US-amerikanischen Chemie-Multi und die erst dieses Jahr in der EU verbotene krebserregende Substanz PFOA.
Wie das im Jahr 1998 mit dem zornigen Landwirt und diesen zunächst widerwillig als Klienten annehmenden Wirtschaftsanwalt Robert Billot begann, zeichnet jetzt Regisseur Todd Haynes in einem düsteren Wirtschaftsthriller nach, der im Original auch sehr treffend „Dark Waters“ heißt.
Es ist die alte David gegen Goliath-Konstellation, wie sie in Gerichts- und Mediendramen vom Schlage Soderberghs „Erin Brokovich“ oder Manns „Insider“ von kleinen Leuten gegen große Institutionen erzählt wird. Haynes konzentriert sich dabei aber voll auf den wadenbeißenden Robert Billot. Dieser frisst sich mit großem persönlichen Einsatz verbissen durch Aktenberge, hat mit Rückschlägen und Gegenwind von seiner Familie und seinen Partnern in der Anwaltskanzlei zu kämpfen und verwendete unfassbare 16 zehrende Jahre lang auf diesen in einer Sammelklage endenden und mit einem Vergleich abgeschlossenen Fall.
Mehr als zwei packende Stunden lang dokumentiert Haynes diesen Prozess und lässt einen immer tiefer zusammensackenden und großartig spielenden Mark Ruffalo sich in die Rolle des 2017 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichneten Robert Billot hineinfressen. Nur passend ist es, dass der „Carol“-Regisseur das nicht nur in den Szenen der späten 90er-Jahre mit fast dokumentarisch wirkenden Bildern macht: Das hier wirkt echt, rau und engagiert - Kino mit Haltung eben.
Düsteres Skandalkino mit Mark Ruffalo

Vergiftete Wahrheit
USA 2019
R: Todd Haynes
D: Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins
S: 8. Oktober
www.vergiftetewahrheit.de

Statement des Regisseurs Todd Haynes:
„,Vergiftete Wahrheit’ beginnt als regionaler, nationaler Umweltskandal und endet mit dem Wissen um das globale Ausmaß dieser Menschenleben gefährdenden Umweltvergiftung. Er zeigt uns auf, wie sehr der Mensch sich nicht mehr als Teil des Planeten begreift und gleichzeitig zum Opfer kapitalistischer und ideologischer Systeme wird. “



Spieltermine vom 19.10.2020 bis zum 20.10.2020

Kino Spieltag Uhrzeit
Traumpalast Schorndorf (Schorndorf) Di 20:15 Uhr
Traumpalast (Schwäbisch Gmünd) Di 20:30 Uhr

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