Rezepte mit Whisky und Zigaretten: Axel Prahl

Den Schauspieler Axel Prahl, geboren 1960 in Eutin, kennt fast jeder. Mit dem Tatort Münster erreichen er und sein Kollege Jan Josef Liefers regelmäßig Traum-Einschaltquoten von ca. 15 Millionen Zuschauern. Den Musiker Axel Prahl haben noch nicht so viele Leute auf dem Zettel, dabei widmet er sich der Musik schon viel länger als der Schauspielerei. Und überhaupt wollte er ja eigentlich Mathematiklehrer werden – schön, dass er das gelassen hat, das mit dem Musikmachen hingegen nicht. In Bezug auf die Musik spricht er auch schon mal schalkhaft von seiner „steuerlich angemeldeten Nebenerwerbstätigkeit“, und zusammen mit seiner Band, dem Inselorchester und ihrem neuen Album „Mehr“, gastiert er Ende Februar in Stuttgart. Auf die Sekunde pünktlich klingelt das Telefon zum vereinbarten Gesprächstermin und am anderen Ende der Leitung ist ein entspannter, sehr gut aufgelegter und redseliger Axel Prahl, der nur stimmlich etwas angekratzt ist.

XAVER: Hallo, Herr Prahl! Wenn man sich anschaut, wie aktiv Sie als Schauspieler sind, ist es fast schon verwunderlich, dass Sie jetzt auch noch mit Ihrer Band so viel Gas geben – da stehen ja jetzt schon an die 20 Termine für 2019 fest. Das scheint eine Herzensangelegenheit zu sein mit der Musik.
Axel Prahl: Ja, das kann man schon so sagen. Da ist mir schon viel dran gelegen!
X: Das stelle ich mir schon allein in Sachen Terminplanung recht schwierig vor. Ich vermute mal, die Tatort-Drehtermine sind gesetzt und Ihre sonstigen Termine werden um diese herum arrangiert?
AP: Hm … doch, das ist tatsächlich ein bisschen so. Das sind die zwei Termine im Jahr, die auf jeden Fall stehen, das sind sechs Wochen, mit 23 Drehtagen und die sind auch ein, zwei Jahre im Voraus geplant und geblockt. Und alles andere muss sich da drum herum irgendwie einsortieren.
X: Wenn Sie dann für die Aufnahmen einer neuen CD im Studio sind und dann auf den Punkt kreativ sein sollen, ist das bestimmt auch nicht ohne. Wie ist das bei Ihnen, gehen Sie mit fertigen Songs ins Studio, oder entsteht im Studio selbst noch vieles neu?
AP: Die Songs sind schon vorkomponiert. Und zwar werkle ich ja mit meinem wunderbaren Arrangeur und Hauskomponist Danny Dziuk schon im Vorfeld der Studioaufnahmen immer mal an den Songs; aber so hat es eben auch sieben Jahre bis zum neuen Album gedauert! Das ist aber doch auch ganz schön, dass man finanziell jetzt von der Musik nicht so abhängig ist, dass man unbedingt auf Teufel komm raus produzieren muss. Das ist so ein Privileg, das ich mir leisten kann.
X: Auf der Bühne fühlen Sie sich ja bekanntlich sehr wohl, aber diese kleinteilige Studioarbeit ist ja auch nicht jedermanns Sache. Sind Sie gerne im Tonstudio, oder ist das eher so ein notwendiges Übel?
AP: Ich wäre gerne noch viel präsenter bei der Studioarbeit und es ist manchmal blöd, dass Danny Dziuk da oft alleine werkeln muss, wenn ich eben durch Drehtage oder anderes belegt bin. Ich habe da schon gerne selbst ein Ohr drauf, um zu sagen: „Komm, da muss aber noch mehr Dampf rein!“, oder Ähnliches, aber wie gesagt, deswegen braucht ein neues Album eben sieben Jahre!

X: Sie sind mit der Zeit wohl auch Meister darin geworden, Zeit effektiv zu nutzen. Sie sind ja gerade auch unterwegs und geben dieses Interview. Gerade beim Film, aber auch auf Tour mit der Band gibt es jede Menge Wartezeit im Tagesablauf. Wie nutzen Sie die?
AP: Stimmt, ein gutes Zeitmanagement ist schon wichtig. Ich nutze diese Zeit, wann immer es möglich ist, auch schon mal, um an Textzeilen oder Songs zu arbeiten. Ich mache mir ja ständig Notizen und habe auch immer wieder mal die Gitarre in der Hand, wenn ich gerade Pause habe am Set. Aber offen gestanden ist es oft eher schwierig, sich in so kurzen Pausen dann zu konzentrieren. Man hat dann auch mal Pausen, wo man nichts anderes tun kann, als sich auf die bevorstehende Szene vorzubereiten und so ein bisschen in der Stimmung zu bleiben. Und ich versuche da dann auch immer mal, das Filmteam mit Spässken bei Laune zu halten. Und die gute Laune am Set ist meines Erachtens ohnehin unerlässlich für ein gutes Resultat vor der Kamera.
X: Das scheint ja im Fall des Münster-Tatorts ohnehin gut zu klappen mit der guten Laune, denn das ist ja von Tag eins an das gleiche Kern-Team von sechs Hauptcharakteren, oder?
AP: Bisher schon. Aber es gibt natürlich Begebenheiten, die man nicht ändern kann. Im nächsten Tatort haben wir eine Urlaubsvertretung für Kommissarin Nadeshda Krusenstern, weil die Schauspielerin Friedericke Kempter ein Baby bekommen hat. Und da muss man eben reagieren. So ist das im Leben manchmal. Meine Band, das Inselorchester, ist auch so ein eingeschworenes Team, aber da gab es auch den Fall mit Michael Götz, der lange Zeit die Blasinstrumente gespielt hat und dann an Alzheimer erkrankt ist.

X: Bei der Musik und auch beim Schauspiel ist Improvisation ein gängiges Mittel. Wie halten Sie das bei der Musik und Konzerten: Ist da alles vorgegeben oder gibt es Raum für Improvisation?
AP: Ach, wir hatten es auch schon, dass wir während eines Konzerts ganz spontan eine Jamsession gemacht haben. Ich habe dann zwei, drei Akkorde angespielt und die Orchestermitglieder sind dann erfreulicherweise alle so virtuos, dass die so was ohne vorherige Absprachen mittragen können. Das hat viel Spaß gemacht und ich meine, das war in Worpswede.
X: Und wie starr ist so ein Tatort-Dreh? Wird das Drehbuch 1:1 umgesetzt oder haben Sie da Raum für Improvisation?
AP: Da gibt es ganz massive Improvisationen, immer da, wo wir das Gefühl haben, dass man das unterhaltsamer gestalten könnte oder man während der Arbeit feststellt, dass da was vom Ablauf nicht passt. Und es gibt manchmal auch Autoren, die sehr literarisch schreiben und die dann nicht 100 % den Duktus von Thiel und Boerne bedienen, und da greifen wir dann auch ein. Der Thiel ist ja kein großer Freund von Nebensätzen oder Adjektiven. Bei Texten, die so viel Informationen beinhalten, muss ich immer zusehen, dass ich das so konstruiere, dass der nicht plötzlich geschwätzig erscheint. Manchmal drehen wir sogar zwei Versionen, damit man später noch etwas austarieren kann, ob man da eher dem Humor oder dem Krimi den Vortritt lässt.
X: Was ich jetzt bei der Recherche erst mitbekommen habe: Die Episoden werden zum Großteil wohl in Köln gedreht. Hat das logistische Gründe?
AP: In erster Linie hat das finanzielle Gründe! Der WDR hat seinen Stammsitz nun mal in Köln. Wenn alle Drehtage in Münster stattfinden würden, hätte das immense Spesenkosten zur Folge, weil die meisten WDR-Mitarbeiter nun mal in Köln wohnen. (hustet) Entschuldigen Sie, ich bin etwas erkältet.
X: Was in Ihrem Beruf ja fast schon die Höchststrafe ist, da Sie sowohl vor der Kamera, als auch auf der Bühne ganz stark von Ihrer Stimme abhängig sind.
AP: Wir hatten gerade in Potsdam ein Konzert und so etwas sagt man ja nicht mal eben wegen einer Erkältung ab. Das geht dann schon irgendwie, zumindest bisher – toi, toi, toi! – habe ich es immer noch so hinbekommen, dass die Leute kaum etwas gemerkt haben.
X: Haben Sie da Geheimmittelchen, wie Sie Ihre Stimme wieder aufpäppeln?
AP: Äh … Whisky und Zigaretten! (lacht)
X: Sehr schön! Ist das dann auch Ihr allabendliches Ritual, bevor Sie mit der Band auf die Bühne gehen?
AP: Nein, da gibt’s an sich nichts. Aber es hat sich irgendwie so eingebürgert, dass ich mir immer Biere aus der Region servieren lasse.
X: So bekommt man dann auch etwas aus der Gegend mit! Da bleibt bei Konzerten ja wohl selten Zeit, sich irgendwelche Sehenswürdigkeiten anzuschauen, oder?
AP: Das stimmt, aber hier und da klappt es dann doch mal. Ich habe besonders im Osten schon sehr schöne Städtchen entdeckt, Schmalkalden zum Beispiel hat eine wunderschöne Altstadt und auch Görlitz kann ich nur empfehlen! Traumhafte Altstadt und ein hervorragendes Hotel, aber ich mache jetzt hier keine Werbung für Hotels … aber es ist am Markt! (lacht)
X: Das ist nicht zufällig das Hotel in dem Wes Anderson mit seiner Crew beim Dreh von „The Grand Budapest Hotel“ gewohnt hat?
AP: Doch, richtig, ganz genau das ist das! Und der Typ, der das managt, hat sich auch sehr bemüht, da alles optimal zu erhalten und herzurichten. Da steckt massig Liebe im Detail. Und zudem hat jetzt auch noch ein fantastisches Restaurant dort eröffnet, da kann ich die Caprese sehr empfehlen!
X: Echt? So einfache Gerichte, die nur aus ganz wenigen Zutaten bestehen, dann hervorragend zu servieren, ist dann wohl die ganz hohe Kunst.
AP: Richtig, da geht es dann eben ganz stark über die Qualität der Lebensmittel und die Kontakte zu den entsprechenden Produzenten beziehungsweise Lieferanten. So eine gute Burrata zu bekommen ist, erst recht in der Region, nicht so einfach.
X: Wenn Sie so ein Faible für gutes Essen haben, kochen Sie denn auch selbst?
AP: Ich koche leidenschaftlich gerne! Das sieht man ja wohl auch! (lacht)
X: Nein, nein, manche essen ja nur leidenschaftlich gerne. Kochen ist einerseits diszipliniertes Arbeiten und dann eben auch eine hohe Kunst! Was ist denn Ihr Paradegericht?
AP: (überlegt) Das ist wahrscheinlich Coniglio a la Caciatore, also Kaninchen Jägerart. Wobei man nicht unbedingt Kaninchen nehmen muss, da geht auch prima ein Schweine- oder Kalbsbraten. Ist auf jeden Fall mit schwarzen Oliven, Sardellen, Rosmarin, Weißwein und gehackter Petersilie.

X: Von der Küche zurück auf die Bühne. Haben Sie denn musikalische Vorbilder oder Helden?
AP: Oh, da gibt es unzählige, das ist sozusagen ein weites Feld. Ich bin ein großer Freund der Klassik und da insbesondere von Bach und Mozart. Und dann gibt es noch richtig viele im Bereich der Popularmusik, angefangen bei Cat Stevens, Neil Young, Bob Dylan und so weiter. Ich habe nur Schwierigkeiten, mich da auf einen Stil festzulegen. Ich finde, dass jedes Stück auch thematisch seine eigene Musik braucht. Deswegen ist das neue Album „Mehr“, noch viel mehr als sein Vorgänger, eine Wanderung durch sehr viele unterschiedliche Musikstile. Was ich jetzt noch gar nicht hatte, waren Samba und Bossa Nova, aber von Rock, Pop und Tango über Polka bis zum Shanty und dem Chanson ist alles dabei!
X: Wie halten Sie das mit Ihren Texten? Die Inspiration kommt ja oft überraschend; haben Sie also eine Notizzettel-Sammlung, die Sie dann hervorholen, wenn’s um neue Texte geht?
AP: Genau, und das passiert tatsächlich immer wieder, dass einem aus heiterem Himmel etwas einfällt – neulich habe ich mir notiert: „Es schmerzt den Fuß nur den Weg, den er selbst gegangen“ – mal schauen, wo das dann einmal landet!
X: Gutes Stichwort! Ich war überrascht, dass Sie als Synchronstimme beim „Angry Birds“-Film gelandet sind. Kannten Sie denn das Spiel vor der Anfrage?
AP: Ja, klar doch! Wer kennt denn „Angry Birds“ nicht? (lacht) Das ist ja fast schon im Bereich von „Moorhuhn“, was ja auch eine Zeit lang sehr gerne gespielt wurde. Und der Charakter Bombe … na ja, der war eine echte Bombe und es hat irrsinnig Spaß gemacht, den zu synchronisieren! Genau wie bei „Die kleine Hexe“ oder auch bei „Timm Thaler“.
X: „Timm Thaler“ hat doch auch Andreas Dresen gemacht, oder?
AP: Ja, genau.
X: Mit dem verbindet Sie eine Freundschaft, oder? Der war ja 2002 auch der Regisseur von „Halbe Treppe“, bei dem Sie mir erstmals so richtig aufgefallen sind. Sie haben seither immer wieder mit ihm gearbeitet.
AP: Unbedingt, das ist ein dicker, dicker Freund.
X: Von dem kommt doch 2019 auch der neue Film „Gundermann“ in die Kinos, oder?
AP: Der war quasi schon in den Kinos, das ist ja heutzutage brachial geworden. Solche Filme laufen maximal eine Woche, wobei ich hoffe, dass „Gundermann“ einer der Filme ist, die dann länger in Off- und Programmkinos laufen.

X: Im März sind Sie wieder im Münster-Tatort zu sehen. „Spieglein, Spieglein“ heißt diese 34. Folge – klingt märchenhaft. Sie dürfen wahrscheinlich gar nicht viel verraten, aber es geht wohl irgendwie um Verwechslungen.
AP: Das ging beim Dreh dann so weit, dass der Regisseur Jan Josef oft als Axel angesprochen hat! (lacht)
X: Wo Sie den gerade ansprechen: Auch er veröffentlicht CDs und geht mit seiner Band auf Tour. Haben Sie denn je mit dem Gedanken gespielt, das in irgendeiner Form in den Tatort einfließen zu lassen?
AP: Auf gar keinen Fall! Das haben Manfred Krug und Charles Brauer ja zur Genüge gemacht und wirklich in die letzten Tiefen, Ecken und Winkel ausgelotet.

X: Wollen Sie uns denn zum Abschluss einen kleinen Ausblick gewähren? Was steht denn bei Ihnen 2019 alles so auf dem Plan, worauf dürfen wir uns freuen?
AP: Bis Mitte März erst mal eine Menge Konzerte mit der Band. Dann stehen wieder Dreharbeiten zu einem Tatort auf dem Programm – dieses Mal geht es um Marktwirtschaft. Aber nicht im Sinne von BWL oder so was, es geht eher um den Wochenmarkt in Münster. So mit Delikatessen und alles etwas feiner. Aber ich will und darf hier nicht zu viel verraten. Wir haben auch noch gar keine abschließende Drehbuchfassung bekommen. Kann also gut sein, dass sich da noch etwas ändert. Im Oktober wird es in der Kieler Ostseehalle eine Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit geben. Die Regie der Veranstaltung macht Lars Jessen und der hat mich gefragt, ob ich da einen musikalischen Part übernehmen will. Ich überlege, ob ich einen Song dafür schreibe, denn das wäre mit den Schleswig-Holstein Symphonikern und einem Kinderchor – eine hehre Aufgabe, mal schauen, ob ich mich dem gewachsen fühle! Und dann gibt es auch noch einige Open-Air-Veranstaltungen im Sommer!


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