Pizza, Schach und Crack im Porsche: Steel Panther

Die US-Rocker Steel Panther starteten um die Jahrtausendwende ursprünglich als Hair Metal-Coverband, huldigten also auf humorvolle Weise den frühen Mötley Crüe, Bon Jovi, Cinderella, Twisted Sister, Poison und Konsorten. Aus Spaß wurde dann aber schnell Ernst und Anfang 2017 erschien bereits ihr viertes Studioalbum. Sie sind international erfolgreich und auch in Deutschland sehr schnell von der Supportband zum Hauptact avanciert. Kein Wunder, denn dank schlüpfriger Texte und Performance sowie Perücken, massig Haarspray, Schminke und natürlich Spandex ist das doch sehr unterhaltsam. Und nicht nur die Hallen werden mit jeder Tour größer (in Stuttgart sind sie demnächst in der Porsche-Arena zu sehen!), auch die Gesamtsituation der Band ist natürlich komfortabler. Früher mussten Musiker in grauen Büroräumen bei totgesiedetem Filterkaffee am Fließband die Anrufe der Journalisten erledigen, heute geht das dank modernem Kommunikationsgerät auch ganz anders. Michael Starr, der bestens aufgelegte Sänger der US-Rocker von Steel Panther, ist jedenfalls in der Sonne auf einem palmengesäumten Boulevard unterwegs. Ob geschminkt und in standesgemäßem Spandex, weiß man nicht …

XAVER: Hallo Michael, Anfang nächsten Jahres seid ihr wieder bei uns auf Tour – wo bist du denn jetzt gerade?
Michael Starr: Ich bin auf dem Rodeo Drive in Beverly Hills. Ich bin zu Fuß unterwegs und hab’ dich auf Kopfhörer. Es hat 24 Grad Celsius, ich habe einen frisch gebrühten Americano (eine Kaffeespezialität, Anm. d. Verf.) am Start und genieße den Tag!
X: Oha, hört sich extrem stressig an! Hier hat’s leichte Minusgrade und es liegt Schnee …
MS: Ach, ich fühle mit dir. Wir waren vor Kurzem noch an der Ostküste unterwegs und da war es mal so richtig kalt und es hatte massig Schnee. Was bin ich froh, jetzt hier in der Wärme zu sein!
X: Andererseits steht Weihnachten vor der Tür und da passt das Winterwetter ja schon ganz gut dazu. Ich stelle mir das etwas seltsam vor mit so viel Sonne …
MS: Ach was. Ich bin das ja schon immer so gewohnt. Wenn wir dann wieder auf Tour sind, bekomme ich noch genug Kälte und Schnee ab! (lacht)
X: Hast du denn schon alle Geschenke für deine Lieben im Sack, oder bist du eher so der Last-minute-Shopper?
MS: Nein, ich hab’ schon alles erledigt! Ich bin also total entspannt. Überhaupt war es dieses Jahr recht einfach, ich hab’ eigentlich allen Starbucks-Gutscheinkarten gekauft. Da stehen eh alle drauf und so sind dann auch alle glücklich! Wir tauschen also beim Essen alle Starbucks-Gutscheine untereinander aus. (lacht)
X: Na dann. Kann man die eigentlich weltweit einlösen, bringen die dir also auch was für die Tour, oder kannst du die nur in den Staaten einlösen?
MS: Nee, die kann man überall einlösen. Man kann damit sogar Crack bezahlen! (lacht) Und mittlerweile muss man nicht mal mehr die Gutscheine mitschleppen, das funktioniert alles elektronisch und mit der entsprechenden App auf dem Smartphone.
X: Was war denn dann – abseits der genannten Gutscheine – dein größter Weihnachtswunsch?
MS: Ich wollte so richtig gerne einen nagelneuen Range Rover in Weiß haben. Ich hatte gehofft, dass Santa Claus mir den bringt – und er sollte bereits komplett bezahlt sein!
X. Wird eher schwierig, mit dem Riesending durch den Kamin zu kommen!
MS: Da hast du wieder recht! Aber ich vermute eh, dass das nicht passieren wird mit dem Range Rover – ich war mal wieder nicht brav genug! (lacht)
X: Oh, Mist! Vielleicht nächstes Jahr dann – man kann immer aufs nächste Jahr hoffen.

X: Ich habe in einem Interview gelesen, dass du ein Fan von All Saints in Berlin bist. Viele Leute erledigen ihre Einkäufe heutzutage ja lieber online, du gehst gerne shoppen?
MS: Ach, ich kaufe schon auch gerne im Netz. Ich bin ständig bei Amazon, gerade für so gängige Sachen des Alltags. Aber ich gehe wirklich gerne in Läden. Besonders auch, wenn wir auf Tour sind. Da gibt es immer so viel Zeit totzuschlagen. Und dich genieße es auch, an der frischen Luft zu sein – auch wenn es verdammt kalt sein sollte. Ich bin gern unter Menschen und interagiere mit ihnen. Ich bin gar nicht so gerne alleine, allein sein ist scheiße!
X: Na ja, aber auf so einer mehrwöchigen Tour und auf engstem Raum mit den Bandkollegen, da wünscht man sich doch bestimmt irgendwann etwas Einsamkeit herbei, oder?
MS: Wir verbringen wirklich viel Zeit miteinander und wenn es auf Tour dann mal einen freien Tag gibt, verbringen wir den auch gerne mal alleine, jeder für sich. Das ist doch mit allen Sachen so, die man mag. Sogar mit deiner Frau, die liebst du natürlich, aber du willst doch nicht jeden Tag mit ihr verbringen. Oder Pizza! Ich liebe Pizza, aber ich möchte nicht jeden Tag und nur noch Pizza essen.

X: Wenn du so viel bei Amazon kaufst, hast du dann auch so einen digitalen Assistenten? Heißen die auch Alexa bei euch?
MS: Ja schon, aber ich habe keine Alexa, ich habe Siri, weil ich begeisterter Apple-Nutzer bin. Aber ich habe einen Fire Stick von Amazon und ich finde ja schon, dass Alexa eine hübsche Stimme hat, aber ich erledige meine Einkäufe schon noch selbst. Bin ja schließlich ein Erwachsener! (lacht)

X: In Deutschland habt ihr ja mittlerweile eine riesige Fanschar. Gibt es etwas, das du besonders magst an Deutschland?
MS: Es ist einfach toll, nach Deutschland zu kommen und sich dort auf so tolle Fans verlassen zu können. Schon als wir zum ersten Mal in Deutschland waren, wurden wir richtig überschwänglich empfangen. Und heute spielen wir in Hallen wie der Porsche-Arena. Das ist eine richtig große Halle, Judas Priest haben da gespielt! Es macht einfach Spaß, bei euch aufzutreten. Mittlerweile kenne ich auch so viele Leute da und freue mich jetzt schon, die dann bald wiederzusehen.
X: In derart großen Hallen geht aber der direkte Kontakt zum Publikum dann schnell verloren, das ist bei einer Clubshow intimer. Vermisst du diese Zeiten manchmal?
MS: Hmm … (überlegt) … irgendwie … nein, ich vermisse diese Shows nicht. Ich genieße es doch sehr, dass wir es mit Steel Panther geschafft haben, das, was wir bei kleinen Shows geschafft haben, jetzt auf großen Bühnen zu machen. Das ist gar nicht so einfach, denn ein großer Teil der Steel Panther-Faszination ist, dass wir die Verbindung zum Publikum herstellen, das es eben klickt und wir nicht nur auf der Bühne rumstehen und unsere Schuhe anstarren. Wir holen die Leute ab und machen sie zu einem Teil der Show. Wenn wir von richtig großen Hallen sprechen, wird das schwierig, da hilft es dann sehr, wenn es Kameras und Videoleinwände gibt. Kleine Shows sind natürlich auch cool, wir spielen auch immer wieder mal im Roxy, hier in Hollywood. Wenn ich da ein Bein auf die Monitorbox stelle, können die Leute nach meinem Schwanz greifen – das hat natürlich auch was! (lacht) Aber die größeren Shows ermöglichen es uns wirtschaftlich überhaupt erst, auf Tour zu kommen und die Produktion zu finanzieren.

X: Ihr habt da offensichtlich einen ganz speziellen Humor entwickelt. Müsst ihr nicht oft mit Leuten rumstreiten, die den Witz einfach nicht kapieren, alles auf die „politisch korrekt“-Goldwaage legen und euch einfach nicht lustig finden?
MS: Ach nee. Nicht mehr. Ich hab’ das eine Zeit lang persönlich genommen und mich viel damit beschäftigt, aber das ist vorbei. Ich hab’ versucht, diese Leute zu überzeugen, aber das bringt ja nix. Am Ende läuft es darauf hinaus: Manche werden es nie verstehen und viele andere lieben es. Ist wie mit dem Frühstück: Manche stehen da total auf Eier, manche schwören auf Pancakes. Ich werde niemand zwingen, Pancakes zu frühstücken. Und ich verstehe auch die ganzen Online-Trolle nicht, die Stunden damit verbringen, auf unseren Kanälen zu verkünden, dass sie uns eben nicht mögen. Was bringt das denen? Ich könnte ja auch auf der Taylor Swift-Seite rumsauen und schreiben, dass ich die doof finde – aber was bringt das?
X: Verbringst du selbst viel Zeit online und mit Social Media?
MS: Auf jeden Fall, das macht mir viel Spaß. Ich genieße den Austausch mit den Fans, es ist eine gute Möglichkeit, direkt in Kontakt mit ihnen zu treten.

X: Ihr habt im Verlauf eurer Karriere schon mit einigen eurer Helden gespielt, von Def Leppard, Mötley Crüe und Guns N’Roses bis hin zu Aerosmith. Gibt es denn noch eine Band, mit der du unbedingt mal spielen möchtest?
MS: Ja, Van Halen wären immer noch ein absoluter Traum. Schon als Kind war ich Fan und sie waren und sind bis heute ein großer Einfluss.

X: Sex und Sexualität sind aber wohl irgendwie zwiespältige Themen in den Staaten. Schimpfworte, Nacktheit oder gar Nippel werden weggepiepst beziehungsweise -gepixelt. Gleichzeitig habt ihr aber die größte Pornoindustrie der Welt und einen Präsidenten, der ganz offen „Grab them by the pussy!“ proklamiert. Und dann ist vor ein paar Wochen noch die Weinstein-Bombe geplatzt … Ist es nicht schwierig, dieser Tage eine Show wie eure zu spielen?
MS: Weißt du, wir haben da in der Band ausführlich darüber gesprochen. Aber wir haben uns dazu entschieden weiterhin zu machen, was wir machen. Wir nötigen niemanden sexuell und rufen auch nicht dazu auf, wir sind eben nicht wie Harvey Weinstein & Co. Die Leute, die zu unseren Shows kommen, wissen, worauf sie sich da einlassen. Wir machen genau so weiter, wie vorher – und den Leuten steht es frei, uns cool zu finden, oder eben auch nicht.

X: Letztes Jahr hab’ ich euch beim Summer Breeze Festival zum ersten Mal live gesehen. Ich war einigermaßen überrascht, das war sehr unterhaltsam. Auf einmal waren da zig Ladys aus dem Publikum auf der Bühne und weil es ihnen offensichtlich heiß war, hatten viele von ihnen recht wenig an … Später hab’ ich dann erfahren, dass derartiges Verhalten weniger die Ausnahme, sondern eher die Regel bei euren Shows ist – wie kam’s denn dazu?
MS: Das war ganz ähnlich wie mit der Bandentstehung, das hat sich alles irgendwie ganz natürlich ergeben. Wir hatten es doch vorhin von den kleinen Shows im intimen Rahmen; da sind die Leute einfach so auf die Bühne gekommen. Jungs haben wir dann einfach wieder runtergekickt, und für die Mädels haben wir irgendwann die Parole ausgegeben: „Entweder Blowjob oder Brüste zeigen!“. Und da keiner Bock auf den Blowjob hatte, lief’s eben auf nackte Brüste raus. Und das hat sich irgendwie durchgesetzt. Seit wir größere Shows spielen, helfen wir den Ladys dann auf die Bühne und manchmal machen sie sich frei und manchmal eben auch nicht. Manchmal kommt auch gar niemand oder nur ein Mädel auf die Bühne. Summer Breeze war da fantastisch, aber beim Download Festival haben wir das sogar noch getoppt, da waren 110 Mädels mit uns auf der Bühne!
X: Beim Summer Breeze haben ein paar der Mädels von einem eurer Crewleute dann spezielle Pässe bekommen. Wofür waren die denn?
MS: Ah, da hat jemand ganz genau aufgepasst! (lacht) Na ja, nach der Show gibt’s eben meist eine Aftershow-Party und dafür waren die Pässe.
X: Ah, O.K., da wird dann ein feines Tässchen Tee getrunken und Schach gespielt, vermute ich?
MS: Boah, Schach ist ja total verrückt – wir spielen meistens nur Backgammon oder Karten. Aber im Ernst, wir hängen nur entspannt bei einem Bierchen ab. Manchmal entwickelt sich eine wilde Party, manchmal ist aber auch nach zehn Minuten und etwas Small Talk alles vorbei.
X: Wo wir es gerade auch von Festivals hatten: Kommt ihr denn nach der Tour im Frühjahr dann im Sommer noch mal vorbei, um ein paar Festivals zu spielen?
MS: Na, aber klar doch! Wir sind da schon am Checken und werden auf jeden Fall am Start sein – wo genau, kann und darf ich aber noch nicht verraten!


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