Party? Erst in Stuttgart! Mel C.

Melanie Jayne Chisholm wurde 1974 geboren und schaffte es 1994 gerade noch so ihre dreijährige Tanzausbildung am „Doreen Bird College of Dance, Music & Theatre Performance“ abzuschließen, bevor sie als eine von insgesamt fünf Mädels für eine bzw. die Girlband schlechthin gecastet wird: die Spice Girls. Seither kennt man sie auf der ganzen Welt als Sporty Spice bzw. Mel C. Mittlerweile hat sie über 100 Millionen verkaufter Alben auf der Habenseite – ca. 80 Millionen davon mit den Spice Girls, aber auch solo ist sie enorm erfolgreich und im Mai wieder in Europa auf Tour. Neben den Erfolgen gab es mit Essstörungen und Depressionen auch dunkle Zeiten in ihrem Leben, die sie aktuell aber hinter sich gelassen hat. Als wir kurz nach Ostern telefonieren, hat sich in Deutschland gerade überraschend der Winter zurückgemeldet. Mel C klingt am Telefon genauso, wie man sie sich vorgestellt hat: richtig gut gelaunt, quirlig und null distanziert – als ob man mit seiner Sandkastenfreundin aus Kindertagen telefonieren würde…

XAVER: Hallo Mel, wie geht´s Dir denn?
Mel C: Oh, danke mir geht´s richtig gut. Hier in London scheint die Sonne, und das ist ja immer eine schöne Sache!
X: Na super, hier schneit es gerade…
MC: Wie jetzt, echt? Auch nicht schlecht!

X: Im Mai bist Du für eine kurze Clubtour mal wieder in Deutschland. Eine der Shows ist in Stuttgart; was fällt Dir zuerst ein, wenn Du an Stuttgart denkst?
MC: Ah, ok… (überlegt). Das ist gar nicht so einfach, ich glaube ich war noch gar nicht so oft in Stuttgart. Aber es freut mich auf jeden Fall dann bald da zu sein und eine Show zu spielen. Weil es ist ja so, diese ganzen Metropolen, die man auch ständig in den Medien präsentiert bekommt - so wie Berlin, Hamburg und Köln – da war ich schon oft, auf Stuttgart freue ich mich also richtig.
X: Wobei ich vermute, dass Du gar nicht allzu viel Zeit hast um Dir die Städte in denen Du auftrittst auch anzuschauen…
MC: Ach, ich versuche schon immer das eine oder andere anzuschauen. Aber jetzt warte mal, Stuttgart; habt ihr da nicht so eine große Kirche?
X: Naja, wenn Du in einer deutschen Großstadt bist, hast Du eigentlich immer die Chance dort auf eine große Kirche zu treffen; es ist aber nicht so, dass Stuttgart da eine überregional bekannte zu bieten hat – nicht so wie Ulm oder Köln jedenfalls.
MC: OK, das ist mir jedenfalls gerade eingefallen, als ich an Stuttgart dachte. Aber Moment mal, ich schau mal in meinen Kalender, wann die Show ist… (kreischt) Das ist die letzte Show auf der Tour! Das heißt da ist Party-Time – ich hoffe da kann man nach der Show noch etwas unternehmen?
X: Na, da bin ich mir sicher. Die Jungs vom Wizemann, dem Club in dem Du auftrittst, haben da bestimmt ein paar Ideen, was man anschließend noch machen könnte!
MC: Dann kann ich jetzt auf jeden Fall schon mal versprechen, dass das eine ganz besondere Show wird!
X: Das heißt bei den Konzerten davor wirst Du ganz diszipliniert ans Restprogramm denken und wenig feiern nach den Shows?
MC: Ganz genau. Erst recht wenn wir mehrere Shows am Stück, also an aufeinanderfolgenden Tagen, spielen, muss ich ganz besonders auf meine Stimme achten. Ich gebe auf der Bühne richtig Gas und verbrenne dabei eine Menge Energie. Wir spielen viele Songs – sowohl alte Hits wie „I Turn to You“ oder auch „First Day of My Life“, als auch einige vom neuen Album. Es ist also echt wichtig für mich fit und gesund zu bleiben, somit gilt: keine Party vor Stuttgart!

X: Diese Tour und auch Dein aktuelles Album heißen “Version of Me”. Gibt es also große Unterschiede zwischen der Mel C auf der Bühne und Melanie Chisholm abseits der Bühne?
MC: Nein, heute lange nicht mehr so wie noch früher. Aber das Tolle an diesem neuen Album und den Songs ist, dass es besonders live nochmal eine ganz andere Dimension bekommt. Ich habe eine neue, sehr junge Band, eine tolle Produktion und tolles Licht und auch die älteren Songs fügen sich da richtig gut ein.

X: Zwischen dem letzten Album und „Version of Me“ liegen satte sechs Jahre Veröffentlichungspause; warum hat das so lange gedauert mit dem neuen Album?
MC: Es haben sich da einfach ein paar Möglichkeiten ergeben, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Ich war als Schauspielerin, beim Musical und auch als Jurymitglied in Fernsehshows aktiv. Und ich war mit Jules Holland auf Tour; und zwischendrin habe ich immer wieder am Album gearbeitet. Klar ist das die längste Pause, die ich jemals zwischen zwei Alben hatte, aber ich glaube das hat dem Album nicht geschadet, ganz im Gegenteil!

X: Einige der neuen Songs sind richtig persönlich, war das nicht auch hart sich so zu öffnen und über Themen wie die Trennung von Deinem langjährigen Freund und Vater Deiner Tochter zu singen?
MC: Weißt Du… (überlegt), ich sehe das Leben als meine Inspiration. Und indem ich auch Persönliches von mir preisgebe, schaffe ich nur eine noch direktere Verbindung zwischen mir und meinem Publikum. Und ich finde es auch wichtig, dass man zeigen kann, dass man verletzbar ist, denn irgendwie sind wir doch alle gleich, nicht? Wir haben alle Ängste, sind unsicher und brauchen Liebe und ich finde es wichtig das als Künstlerin mit meinem Publikum teilen zu können.

X: Im Song “Escalator” singst Du “I don’t wanna get political, but when we all pull together we don’t fall“. Glaubst Du es ist schädlich für Künstler sich politisch zu äußern?
MC: Nein, das glaube ich nicht. Aber entweder Du bist politisch interessiert, oder eben nicht. Und ich für meinen Teil rede nicht gern über Politik, und zwar hauptsächlich weil ich gar nicht so viel Ahnung davon habe. Andere Künstler sind sehr politisch engagiert und quasi Aktivisten. Es kommt also wie so oft im Leben darauf an, was für ein Typ du bist…
X: Aber dieser Tage ist das eigentliche Problem doch, dass wir alle gar nicht mehr erkennen, was für ein hohes Gut die Demokratie ist und man das alles so als gegeben hinnimmt. Wenn man dann Leute wie Trump oder auch Erdogan in den Nachrichten sieht, dann wirkt das, wie ein schlechter Hollywoodfilm und man wartet die ganze Zeit darauf, dass 007 ins Bild kommt und das Problem für uns löst. Hat man da als Künstler nicht ab und an das Bedürfnis die Leute da aufzuwecken?
MC: (lacht) Das mit Bond ist ein schönes Bild! Das erfüllendste für mich am Musikmachen ist, wie es die Leute erreicht. Ich bekomme so viele wunderbare Briefe und Nachrichten, in denen mir Leute mitteilen, wie ihnen die Songs und Texte geholfen haben mit schwierigen Phasen in ihrem Leben klarzukommen. Ich bin niemand, der sich hinstellt und predigt, ich bin eher so der Kumpeltyp mit dem man sich auf Augenhöhe identifizieren kann.
X: Und wo Du gerade die Fanpost ansprichst: hast Du denn Zeit das alles zu lesen und zu beantworten?
MC: (lacht) Nein, ich kann das natürlich nicht alles lesen. Aber gerade wenn ich auf Tour bin, habe ich immer wieder mal Zeit für solche Sachen. Und die Leute schreiben einem die unglaublichsten Sachen…

X: Nach dem riesigen Erfolg mit den Spice Girls hast Du 1998 den Grundstein für Deine Solokarriere gelegt, und zwar mit einem Duett mit Bryan Adams. Habt Ihr Euch denn vorher schon gekannt?
MC: Ich hatte ihn vorher schon bei „Top of the Pops“ in London getroffen. Und später waren wir dann mit den Spice Girls auf Tour in Los Angeles und nach der Show war ich mit meiner Mutter in einer Bar und Bryan war auch da! Und weil meine Mutter so ein Riesenfan von ihm ist, hat sie mich zu ihm hingeschickt, damit er kurz mit ihr spricht. Er kam dann tatsächlich zu uns rüber und wir hatten ein paar Drinks zusammen. Als ich dann wieder zurück in London war, hat er mich angerufen und meinte (imitiert Bryan Adams Stimme) „Hey Mel, ich habe da diesen Song, hast Du Lust den mit mir zusammen zu singen?“; und wie ich Lust hatte den Song mit ihm zu singen. Und wir sind bis heute befreundet, das letzte Mal haben wir an meinem Geburtstag telefoniert. Und ich habe ihm auch richtig viel zu verdanken, denn er hat mich von Anfang an auf meinem Soloweg unterstützt und mir viel Selbstbewusstsein gegeben.
X: Bryan Adams ist mittlerweile ja auch sehr erfolgreich als Fotograf. Hast Du für Dich vielleicht auch etwas abseits der Bühne entdeckt in dem Du richtig aufgehst?
MC: Naja, Sport war mir schon immer sehr wichtig und ich versuche weiterhin meine Triathlon-Zeit zu verbessern, vielleicht schaffe ich es dann doch noch irgendwann zur Olympiade (lacht). Ansonsten fühle ich mich echt wohl auf der Bühne, das war schon immer mein Ding. Und wenn ich mal die Zeit finde, koche ich recht gern.
X: Ach echt? Was kochst Du denn am liebsten?
MC: Ich mach ganz gerne Kuchen und interessiere mich ansonsten allgemein für gesunde Ernährung und probiere gerne Alternativen aus.
X: Aber Du ernährst Dich nicht vegetarisch oder sogar vegan?
MC: Nein, ich esse an sich alles, aber ich versuche mich halt immer möglichst gesund zu ernähren.

X: Ich habe gesehen, dass Du bei einigen Shows im April auch “Human” von Rag’n’Bone Man gecovert hast. Ich gehe also mal davon aus, dass Du ihn gut findest…
MC: Ja, das ist einer meiner aktuellen Favoriten und ich war ganz schön aufgeregt als wir den Song das erste Mal live gespielt haben. Es scheint aber ganz gut gelungen zu sein, denn er hat die Version wohl gehört und mich bei Twitter gelobt – Lob von höchster Stelle quasi!
X: Und wie findest Du es wenn andere Künstler oder Bands Deine Songs covern?
MC: Das mag ich total! Da gibt es z.B. eine dänische Sängerin namens MØ, kennst Du die?
X: Leider nein.
MC: Musst Du unbedingt checken, die ist sogar international gerade richtig erfolgreich. Und sie hat eine sehr coole Version vom Spice Girls-Song „Say You’ll Be There“ gemacht. Wir haben das dann sogar auf Shows von ihr in London und Kopenhagen zusammen gesungen!
X: Ich habe mal eine “I Turn to You”-Coverversion einer deutschen Metalband namens Darkseed gehört – kennst Du die?
MC: Was echt? Nein, da muss ich mal danach suchen…
X: Nein, musst Du nicht, glaub mir!

X: Du hast eine Tochter, Scarlett. Und mit acht Jahren wird sie mittlerweile auch wissen, dass ihre Mutter ein Star ist. Mag sie Deine Musik?
MC: Doch, sie weiß dass ihre Mum ein Spice Girl ist und sie mag die Musik. Sie tanzt auch sehr gerne und interessiert sich auch schon für andere Künstler – gerade ist Ed Sheeran ihr absoluter Held und wir hören das rauf und runter. Musik, Gymnastik und Kunst sind die großen Themen bei ihr…
X: Was wäre denn dann ein perfekter Mutter/Tochter-Tag für Euch zwei?
MC: Das lieben wir beide sehr. Meist gehen wir zusammen shoppen und ins Kino. Und Sushi darf zurzeit nicht fehlen, das ist momentan ihr absolutes Lieblingsessen.

X: In dem Zusammenhang frage ich mich dann schon auch, was Dich nach all den Jahren und dem Erfolg heute noch antreibt wieder auf Tour zu gehen… ein neues Album zu machen usw. Geld kann ja nicht die Motivation sein, das solltest Du ja ausreichend haben…
MC: (lacht) Naja, Geld war nie meine Motivation. Aber ich hab auch Rechnungen zu zahlen und Du weißt ja selbst, wie teuer Kinder sind. Aber ich liebe einfach was ich mache, bin nach wie vor sehr motiviert mich zu verbessern und möchte noch so einiges erreichen. Und wenn es nach mir geht, bleibt das auch so für den Rest meines Lebens!


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