Kurzweil und Augenschmaus: Die Kleine Tierschau

Traurig und auch wahr: Die Kleine Tierschau befindet sich auf Abschiedstour. Zum 35-jährigen Jubiläum gibt es 35 genau abgezählte, quasi handverlesene Shows bei denen es letztmalig Gelegenheit gibt, das Ganze live und in Farbe zu erleben. Da bestätigen selbst wir mit einer Ausnahme die rigorose Redaktions-Regel und bitten ein zweites Mal zum Interview - immerhin ist das letzte ja auch schon wieder 12 Jahre her. Uns standen gleich beide Akteure (Michael Gaedt und Michael Schulig) Rede und Antwort und wie das bei lustigen Stars oft so ist, die können und/oder wollen auch im Interview nicht aus ihrer Rolle raus. Es war also ein sehr lockeres und amüsantes Gespräch - der Ernst (Mantel) ist bei der Tierschau ja eh schon seit 2009 raus …

XAVER: Vor 12 Jahren habe ich - damals nur mit einem Michael - das erste Interview mit Euch gemacht. „Unfug“ hieß damals das Programm. Ich nehme an, dass der Unfug bis heute eine Rolle in Eurem Leben spielt?
Michael Gaedt: Ja klar. Dieses Pferd Unfug reiten wir jetzt ja, mit großem Spaß, seit 35 Jahren.
Michael Schulig: Und es ist auch so, wir wollten da gerne das deutsche Äquivalent zum Begriff Comedy benutzen. Und haben dann lange rumüberlegt, was das sein könnte. Vielleicht Blödsinn? Unfug fanden wir dann für uns aber am passendsten.
X: Aber mit der Bezeichnung Comedy konntet Ihr schon gut leben. Oder fandet Ihr, dass das den Kern nicht getroffen hat?
MG: Ja klar, das hat uns auch nie geschadet.
MS: Die haben uns auch gerne als Anarcho-Comedy bezeichnet. Das Etikett hatten wir gute 25 Jahre und wird auch jetzt noch immer wieder gerne rausgekramt. Aber ich weiß an sich bis heute nicht genau, was das sein soll!

X: Wir hatten es damals auch von Euch als Trendsetter. Ihr habt vor allen anderen Schlager, Balkan- und Bollywood- Sounds in Euren Shows gehabt.
MG: Genau. Wir haben vielen Künstlern zu einem Comeback verholfen. Also ich glaube ohne unser ABBA-Medley hätten es ABBA nicht noch einmal geschafft und ohne unser Dieter Bohlen-Medley wäre Dieter ja nicht beim Supertalent gelandet.
MS: Genau. Wir hatten auch ein Schlagzeug auf der Bühne, das sich drehte. Das hat dann Earth, Wind and Fire auch gemacht, nur eben größer. Dann hatten wir ein Fließband auf der Bühne, wie später Madonna. Außerdem ein Schlauchboot mit dem wir im Publikum geschwommen sind, das haben dann auch Rammstein wiederholt. Wir waren wirklich oft Vorbild.
X: Das heißt, Eure Anwälte haben immer viel zu tun und Ihr könnt ganz gut von den Klagen leben?
MG: Nein, nicht unsere Anwälte haben viel zu tun, sondern die Anwälte von Rammstein und Madonna. Man sagt ja auch: „Man klaut nur bei den Besten!“.

X: XAVER wird jetzt gerade mal 20 Jahre alt. Ihr habt es mittlerweile auf 35 Jahre gebracht. Wir dürfen immer noch nicht in die Spielbank. Denkt Ihr vielleicht schon so ein bisschen an die Altersvorsorge?
MS: (lacht) Natürlich. Ich verfolge ja immer noch mein großes Berufsziel Privatier und da muss man natürlich vorsorgen, sonst wird des nix!
MG: Ich denke gar nicht über Altersvorsorge nach. Ich weiß ja nicht, ob ich so alt werde, um so eine Altersvorsorge dann in Anspruch zu nehmen! (lacht)
X: Wer eine große Plattensammlung hat, hat eigentlich eh schon alles richtig gemacht!
MS: Genau, ich habe noch so viele Bücher und CDs daheim, bei denen ich heute schon weiß, dass ich die in meinem Leben einfach nicht mehr schaffe. Aber sie stehen schön da und sehen gut aus.

X: Als ich jünger war, standen noch andere Getränke hoch in meiner Gunst. Saure Apfelschnäpse und Cola-Rotwein-Gemische gingen da noch als lecker durch. Ihr wart schon früh bei „Campari pur“. Was habt Ihr heute am liebsten im Glas?
MS: Kamillentee. (lacht)
X: Boah, so krank kann man doch gar nicht sein, dass man das trinkt! Als Fußbad meinetwegen .
MG: Es hat immer noch die Farbe von Campari pur, ist aber jetzt ein Beerenschorle! (lacht)
MS: Bei mir war es früher ein italienischer oder französischer Rotwein, seitdem ich draußen im Weingebiet wohne, ist jetzt aber der Trollinger auch recht akzeptabel.

X: Um noch einen anderen prominenten Song von Euch abzuklopfen: Soweit ich weiß, habt Ihr zumindest teilweise Kinder. Habt Ihr denen zur Sicherheit zwei oder mehr Vornamen gegeben?
MG: Also ich konnte den Namen Gabi nicht einmal als Zweitnamen in der Familie durchsetzen.
X: Der Anteil an neugeborenen Gabis dürfte seit Eurem Hit auch dramatisch zurückgegangen sein.
MG: Das ist der demografische Wandel! An dem sind wir auch noch schuld, klar! Aber wir haben jetzt ja auch einen schönen Song im Programm, der sich mit Namen beschäftigt. Das Thema verfolgt uns jetzt auch schon seit 35 Jahren.
MS: In dem Song geht es darum, dass wir uns seit jeher wundern, warum Leute die Vornamen ihrer Kinder aufs eigene Auto kleben. Aber man muss ja auch sagen, der heutige Kevin oder Luca war zu unserer Zeit eben - offensichtlich - der Michael.
MG: Auf der Bühne, im Entertainment-Business gibt es eine ewige Regel, und das ist eben, dass man auf der Bühne keinen Witz über Namen aus dem Publikum macht. Und wir haben das musikalisch gelöst und singen einfach über Namen!
MS: Wir machen uns seit 35 Jahren über keine Namen lustig!
X: Nein! Das kann ich bestätigen! Ihr holt auch nie jemand aus dem Publikum auf die Bühne …
MG: Das würden wir nie machen! Nur namenlose Freiwillige herausgelöst aus einer anonymen Masse, die uns dann assistieren dürfen.

X: Traurig, aber wahr, das aktuelle Programm heißt „Die Kleine Tierschau sagt ade“. Es wird aber trotzdem ein lustiges Programm, oder?
MS: Ja, klar! Wir machen uns wie immer zum Affen. Und an sich war ja auch immer unser Ziel die Stones zu schlagen und wir hören jetzt mit 35 auf. Und die gibt es immer noch. Verflixt nochmal, die hören einfach nicht auf, die Säcke - wir haben es einfach aufgegeben.
X: Bleibt die offensichtlichste Frage in diesem Gespräch: Warum hört Ihr auf?
MS&MG: (im Chor): Um mein Berufsziel zu verfolgen: Privatier!
X: Ach so, es gibt also quasi Wichtigeres in Eurem Leben?
MG: Naja, uns zieht es ja immer auf die Bühne …
MS: …und der werden wir auf die eine oder andere Weise auf jeden Fall erhalten bleiben!
X: OK, nachdem die Leser jetzt also wissen, dass da mindestens eine Katze im Sack ist: Details bitte!
MG: Ich habe für mich für die Zukunftsprognose folgende Sprachregelung gefunden: Wir fangen jetzt mal mit dem Aufhören an!
MS: Ich habe vor, Kurse zu geben, also Seminare zum Thema „Freizeitgestaltung“, ich bin ja diplomierter Freizeitgestalter. Das wird mein nächstes Projekt.
X: Oh, interessant, gibt es da schon eine Homepage, wo man sich anmelden kann?
MS: Da fange ich bestimmt heute noch mit an, ist ja auch viel Arbeit so was!
X: Aber nicht stressen lassen, immer tranquillo …
MS: Nein, das ist ja meine Freizeitgestaltung!

X: Ihr habt damals zu dritt als Straßenmusiker angefangen, mit deutlich überschaubarerem Team als heute nehme ich an. Ich habe Ausschnitte aus der 30-Jahre-Show gesehen. Das war ja eine riesige Produktion. Wie viele Leute sind da heute auf und hinter der Bühne beteiligt?
MG: Also so zwischen acht und zehn Leute sind es auf jeden Fall immer.
MS: Wobei wir jetzt nicht mit kompletter Band unterwegs sind, so wie bei dieser 30-Jahre-Show, da hatten wir damals ein Projekt mit einer Rockband. Aber wir haben eben immer drei bis fünf Tänzerinnen mit auf der Bühne und sorgen für Kurzweil und Augenschmaus.

X: Irgendwann kam dann bestimmt mal der Punkt, wo man sich entscheiden musste, ob man „den Quatsch“ jetzt hauptberuflich macht.
MG: Ach, das hat sich eigentlich recht schnell zum Hauptberuf entwickelt, auch weil ja keiner was Anständiges gelernt hat.
X: Na, dafür ist es doch dann gut gelaufen!
MG: Ja super, sehr erfolgreich. 35 Jahre in leitender Position in einem mittelständischen Unternehmen. Das muss uns irgendeiner aus der Industrie erst mal nachmachen.

X: Michael Gaedt, Du bist ja eh vielseitig unterwegs, u.a. als Schauspieler. Aber bei der Recherche bin ich über eine kuriose Nachricht gestolpert. Und zwar warst Du im April Jurymitglied beim großen Ideenwettbewerb der Evangelischen Landeskirche. Was kam denn da so an Ideen?
MG: Ja dieser ganze Wettbewerb läuft ja noch. Das ist ein wunderbares Konzept. Der Hauptpreis ist nämlich die Umsetzung einer eingereichten kreativen Idee. Wer also ein Gedicht einreicht und gewinnt, kann sicher sein, dass das gesendet oder in einem Verlag veröffentlicht wird. Wer bildnerisch tätig ist, wird in einer Ausstellung präsentiert usw. Das finde ich so wunderschön und pfiffig. Und was mich schlussendlich überzeugt hat, da mitzumachen, ist, dass die Evangelische Landeskirche überhaupt keinen Einfluss nimmt! (lacht) Es entscheidet allein die sehr bunt zusammengesetzte Jury. Und die Kirche steht dann staunend daneben und steht in der Pflicht das zu verwirklichen!
X: Also dem berufsmäßigen Schelm fallen da doch bestimmt lauter subversive Sachen ein, gib es zu. Du hast da doch unter falschem Namen schon diverse Ideen eingereicht!
MG: (lacht schallend) Das wäre erst mal eine gute Idee! Da bin ich tatsächlich zu doof gewesen drauf zu kommen! Aber wie gesagt, der Wettbewerb läuft ja noch bis zum Jahresende!

X: Michael Schulig ist ja auch mit der Band TheGoodTheBadAndTheUgly aktiv. Wird das dann nächstes Jahr verstärkt?
MS: Naja, das ist ein wirklich sehr schönes Spaßprojekt und macht jede Menge Laune. Das ist ja eher musiklastig, aber durchaus auf skurrile Art. Wir spielen Dance- und Disco-Nummern mit akustischen Instrumenten. Da ist einer von der Band Füenf dabei, die sind ja sehr vielbeschäftigt und auch der Basser ist bundesweit gefragt, ist unter anderem in der Band von The Voice Kids. Ein echter Bass-Söldner, quasi!

X: Michael Gaedt war ja auch immer so ein bisschen der Mad Professor und hat mit dem Schweißgerät die wildesten Maschinen zusammengetackert. Wie geht es mit dem Fuhrpark weiter? Plant Ihr vielleicht ein Museum oder etwas in der Art?
MG: Unser Lager ist jedenfalls voll mit den ganzen motorisierten Requisiten. Die Turban-Wickelmaschine, der Autoscooter mit V8-Motor, unsere Motororgel, die Minimotorrädchen … es knattert und stinkt allüberall. Mal sehen, was damit zukünftig passiert.
MS: Aber Du hast schon recht. Da hat sich so viel angesammelt, das würde locker ein Museum füllen!

X: Nachdem die Tage des Live-Erlebens ja gezählt sind, stellt sich mir die Frage, ob bei diesen ganzen Abschieds-Shows vielleicht „zufällig“ irgendwo ein paar Kameras mitschneiden … kommt da noch eine tröstende Veröffentlichung auf die schniefenden Fans zu?
MG: Das kann auf jeden Fall sein. Wir haben in all den Jahren ja auch eine Unmenge an gefilmtem Material angehäuft. Da wurde hier und da schon was veröffentlicht, das Archiv hält aber noch einiges bereit. Außerdem leben wir auch in den Herzen unseres geschätzten Publikums weiter!

X: Als 2009 Ernst Mantel ausgestiegen ist, ein Rechtsstreit um die Namensrechte entbrannte und allgemein wohl Feuer unterm Dach war, hätten viele mit dem Ende der Tierschau gerechnet. Ist da heute wieder Gras über den Streit gewachsen? Habt Ihr wieder Kontakt zu Ernst Mantel?
MG: Ach, wir spielen ja so viel. Deswegen sind immer alle so beschäftigt, es gibt da kaum Überschneidungspunkte. Es ist alles … (überlegt) ach, in 35 Jahren legt man sich ja auch ein dickes Fell zu. Das hat also viel an Dramatik verloren.

X: Zum Abschluss die Frage nach Eurer ersten Assoziation mit dem XAVER?
MG: Ja, immer wenn ich im Ostalbkreis ausgehe, muss ich natürlich vorher im XAVER nachschlagen, wo ich hingehen kann, klar!
X: Super Antwort, auf welches Konto sollen wir überweisen?
MS: Und Euch gibt es jetzt 20 Jahre, oder was? Na da sagen wir doch noch (wieder beide im Chor) Herzlichen Glückwunsch!


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