Irgendwas ist immer: Andrea Sawatzki

Seit Jahren ist Andrea Sawatzki eines der bekanntesten Gesichter im deutschen Fernsehen. Jahrelang war sie Teil des Frankfurter Tatort-Teams, sie überzeugte aber auch in Komödien wie z. B. „Die armen Millionäre“, Tragödien, internationalen Produktionen (z. B. „Borgia“) sowie in Märchenverfilmungen und nicht zuletzt im Kino (u. a. „Das Experiment“). Schon lange ist sie auch als Hörbuchsprecherin sehr gefragt und seit März 2013 auch als Buchautorin erfolgreich.
Zudem schafft sie es seit Jahren den „Traumpaar“-Status mit ihrem ebenso prominenten Mann Christian Berkel aufrecht zu erhalten. Eine vielseitig begabte und engagierte Frau, insofern überrascht es auch nicht, dass sie im Dezember singend und mit Band in Stuttgart zu erleben ist! Im Gespräch ist sie erfreulich unkompliziert, aber auch konzentriert und ehrlich.

XAVER: Interviews an Vormittagen sind für Leute, die abends lange auf der Bühne stehen, oft etwas gemein. Sie wirken aber sehr fit - sind Sie Frühaufsteherin?
Andrea Sawatzki: Ich hab Familie, also bin ich um 6 Uhr wach! Und bei Dreharbeiten wird man grundsätzlich zwischen 6 und 6.30 Uhr abgeholt.

X: „Jetzt singt sie auch noch“ hieß vor ein paar Jahren die Debüt-CD von Frau Schöneberger. Sie haben aber gar nicht jetzt erst angefangen zu singen, sondern haben das schon vor Jahren gemacht. Wie kommt’s, dass Sie jetzt wieder damit anfangen?
AS: An der Schauspielschule hat man ja auch Gesangsunterricht und ich finde, dass das Singen unbedingt zum Spielen dazugehört. Das ist schon fast Tradition, dass man als Schauspieler auch singt. Das ist also gar nicht so ungewöhnlich, es gibt ja auch viele Kollegen, die das tun: Herbert Knaup, Joachim Król, August Zirner usw. Wenn man jetzt hauptsächlich Fernsehen macht, dann ist es da eher selten der Fall, dass man singen muss.

X: Ich hab gelesen, dass ein Grund für die Tour mit diesem Programm wohl auch ein Versprechen ist, welches Sie Ihrem Mann in der Hochzeitsnacht gegeben haben…
AS: Nee, das ist glaub eher eine Zeitungsente! Das war schon mein Entschluss. Ich hatte ihm zur Hochzeit ein Lied geschenkt, den „Mecki-Messer-Song“. Und beim Singen auf dieser Feier, die mit 150 Leuten mehrere Tage dauerte, hab ich mir gedacht, man könnte das doch mal wieder angehen.

X: U. a. stehen Stücke von Kreisler, Grönemeyer und Wir Sind Helden auf Ihrem Programm. Wie haben Sie die Songs für den Abend zusammengestellt?
AS: Ich hab' diesen Abend mit meinem damaligen Pianisten im Sommer 2012 fürs Tipi am Kanzleramt konzipiert. Ich hab' in der Zeit viel gedreht, d. h. mein Pianist hat die meisten Songs für mich ausgewählt, weil mir einfach die Zeit zur Recherche fehlte. Wir hatten 50 Songs und haben aus denen nach ein paar Proben dann 24 ausgewählt. Mittlerweile hab' ich eine Band bestehend aus einem Pianisten, einem Cellisten, einem Vibraphon und einem Schlagzeuger. Für diese Besetzung haben wir das Programm musikalisch erweitert und sind jetzt schon seit einiger Zeit zu viert auf Tour. Das macht auch alles großen Spaß, auch wenn es immer recht schwierig ist, einen Termin zu finden. Und Neuss und Stuttgart sind auch die beiden letzten Termine für 2013.

X: Sind Sie selbst Musikfan? Kaufen Sie sich also regelmäßig neue Alben und entdecken Sie neue Bands für sich?
AS: Ehrlich gesagt höre ich meistens Jazz, und zwar, wenn ich Auto fahre. Ansonsten fehlt mir die Zeit, Musik zu hören. Wenn wir Freunde zu Gast haben, läuft natürlich Musik, aber das macht mein Mann.

X: Haben Sie denn musikalische Vorbilder?
AS: (überlegt) Nein.

X: Im März haben Sie ihren ersten Roman „Ein allzu braves Mädchen“ veröffentlicht. Waren Sie den selbst ein braves Mädchen?
AS: Ob ich ein braves Mädchen war? Das kann ich nicht wirklich beurteilen… Aber das ist jetzt auch kein wirklich positiver Titel. Ich glaube es gibt viele Kinder, die allzu brav sind. Die vielleicht, um den Eltern zu gefallen und geliebt zu werden, zu sehr gehorchen und sich dadurch vielleicht auch nicht so frei entwickeln können, wie es schön wäre. „Allzu brav“ ist hier also eher mit einer leichten Kritik verbunden.

X: Schreiben Sie schon lange? Haben Sie also vielleicht schon einiges in Ihrer Schublade, das auf eine Veröffentlichung wartet? Oder haben Sie erst vor Kurzem damit begonnen?
AS: Das war eigentlich schon immer ein Traum von mir. Schon als Kind wollte ich gerne Schriftstellerin werden, weil mein Vater Journalist war, und ich quasi umgeben von Büchern aufgewachsen bin. Mit dem Schreiben ist das ähnlich wie mit dem Singen, ich seh das alles als Teil der Schauspielerei. Man muss sich als Schauspieler ja durchaus Biographien und Lebensläufe seiner Figuren ausdenken. Ich hab also schon immer 'nen ziemlichen Blick für Menschen um mich herum. Ich interessiere mich auch sehr für Psychologie und Wesensveränderungen durch Krankheiten. Das ist ein Thema, das mich Zeit meines Lebens sehr fasziniert. Insofern war die Schauspielerei also eine gute Vorbereitung fürs Schreiben.

X: Sie scheinen ja Gefallen am Schreiben gefunden zu haben. Im Oktober haben Sie direkt „Tief durchatmen, die Familie kommt“ nachgelegt. Da handelt es sich aber wohl nicht um einen Krimi. Dieses Mal steht das Weihnachtsfest im Mittelpunkt…
AS: Das Erste war ein psychologischer Entwicklungskrimi, das Zweite ist eine schwarze Komödie.
X: Dann sind Sie also beim Schreiben ähnlich vielseitig wie als Schauspielerin.
AS: Ich würde sagen, ich möchte mich beim Schreiben genauso wenig festlegen lassen. Das ist so eine Sehnsucht von mir und ich glaube, dass das auch ganz gut klappt.

X: Manchmal lesen Sie sogar zusammen mit Ihrem Mann Christian Berkel. Eine Beziehung, eine Ehe führen ist das eine, zusammen arbeiten aber nochmal etwas ganz anderes. Hat das schon immer gut funktioniert?
AS: Wir arbeiten total gerne zusammen, haben auch schon oft zusammen gedreht und haben jetzt auch wieder ein gemeinsames Projekt vor für nächstes Jahr. Dadurch, dass wir uns durch den Beruf ja sonst nicht täglich sehen, freuen wir uns total, wenn wir mal zusammen arbeiten können.

X: Auf Ihrer Homepage hab ich gesehen, dass Sie auch an eher ungewöhnlichen Orten wie Einrichtungshäusern, Museen oder Autohäusern lesen, wie kommts?
AS: Ich hab' jetzt über 50 Lesungen mit den Büchern gemacht und an manchen Orten ist es einfach so, dass es keine großen Räume für derartige Veranstaltungen gibt. Da sponsert die Lesung dann beispielsweise ein Autohaus und die räumen dann alle Autos aus diesem Raum und so hat man dann Platz für 600 Leute.
X: Wenn man Sie so hört… über 50 Lesungen, Sie haben richtig Geschmack an den Lesungen gefunden, oder?
AS: Ja, es macht Spaß. Weil man eben direkt mit den Lesern in Kontakt ist. Ich finde es auch einfach wichtig, das Buch zu begleiten. Ich hab' meist unter der Woche gedreht und an den Wochenenden gelesen - deswegen war ich seit September im Prinzip auch nicht mehr zu Hause. Aber das machen ja andere Autoren auch, Ferdinand von Schirach reist auch sehr viel. 2014 wird das auch ähnlich weitergehen, ich drehe da zwar auch wieder sehr viel, aber der zweite Teil meines Buches ist in Planung und ich werde auch weiterhin Lesungen machen.

X: Lange waren Sie auch als Kommissarin Charlotte Sänger im Tatort zu sehen. Der Tatort ist eine deutsche Institution, Sie haben sich trotzdem 2009 gegen den Tatort entschieden - haben Sie diese Entscheidung denn je bereut?
AS: Nö, gar nicht. Ich hab mich schweren Herzens getrennt, weil ich es einfach sehr gern gemacht habe. Aber nach acht Jahren in dieser Rolle, war es dann auch genug. Für mich war da einfach keine Herausforderung mehr. Natürlich wird man irgendwo zu einem Gesicht, vielleicht auch zu einer Marke, und natürlich gab es Leute, die meinen Ausstieg bedauert oder auch kritisiert haben. Ich finde als Schauspieler sollte man sich nicht zu früh zur Ruhe begeben. Man muss auch immer wieder mal ins kalte Wasser springen und schauen, was es sonst noch so gibt.

X: Sind Sie selbst Tatort-Fan? Sitzen Sie also sonntags regelmäßig vor dem Fernseher?
AS: Ich war noch nie wirklicher Tatort-Fan und gucke grundsätzlich sehr wenig fern. Das ist auch die Zeit, zu der wir versuchen unsere Kinder ins Bett zu bringen. Und wenn wir da nicht um acht Uhr anfangen, sind die um neun nicht im Bett. Danach wollen wir uns auch noch unterhalten und da setzen wir uns nicht vor den Fernseher.

X: Gab es denn unter all den Filmen und Hörbüchern, bei denen Sie mitgewirkt haben, etwas, das Sie besonders gut und herausragend fanden, das aber nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekommen hat?
AS: Ja, da gab‘s schon so ein paar Lieblingsprojekte. „Klimawechsel“ fürs ZDF mit Doris Dörrie, was wir auch unbedingt weitermachen wollten und was, wie ich finde, zu früh eingestellt wurde. Oder „Helen, Fred und Ted“ für die ARD, eine Geschichte über drei Psychotherapeuten. Sehr am Herzen lag mir auch die Comedy-Serie „Die armen Millionäre“ bei RTL, wo ich irgendwann einfach aussteigen musste, weil es keine Drehbücher mehr gab; da hat sich nach 'ner Zeit einfach alles wiederholt.

X: Immer wieder engagieren Sie sich auch für die gute Sache: Im August etwa beim „Lift Unified Lauftraining“ - worum ging‘s bei der Aktion?
AS: Ich kümmere mich schon hauptsächlich um Kinder, ob sie nun krank sind oder nicht. Oder z. B. bin ich auch Schirmherrin für „Ein Platz für Kinder“ in Hannover, wo es darum geht, traumatisierten Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren wieder ins Leben zurück zu helfen. Das sind teilweise ganz fürchterliche Schicksale. Aber dieses Lauftraining, das war total schön. Da sind wir mit Downsyndrom-Kindern und -Erwachsenen gelaufen. Das Ziel ist, in ganz Deutschland so eine integrative Laufgruppe zu gründen, wo man dann zwei Stunden die Woche zusammenläuft. Ich hatte da so viel Spaß und hab' die Gesellschaft so genossen, weil man sich von diesen Menschen so viel abgucken kann… dieses Leben im Moment, das Positive und die kindliche Freude!

X: Vor ein paar Monaten sind Sie 50 Jahre alt geworden. Ich hab' in verschiedenen anderen Interviews gelesen, dass Sie gar kein Problem mit dem Alter und dem Altern haben. Wurde denn in Ihrem Umfeld viel Aufhebens um Ihren runden Geburtstag gemacht?
AS: Wir haben natürlich ein großes Fest gefeiert. Es kamen auch ganz viele, aus allen Teilen Deutschlands. Und das Schöne an so einem Fest ist ja auch, dass man ganz viele Geschenke bekommt! (lacht). Ansonsten finde ich das Alter sehr spannend. Aber ist schon auch so 'ne Schwelle, dass man einen Berg erreicht hat und zum ersten Mal auch die Endlichkeit des Lebens vor sich sieht. Das hat schon auch etwas sehr Trauriges. Aber umso mehr habe ich jetzt die Lust noch möglichst viel aus meinem Leben zu machen. Das erklärt vielleicht auch die Entdeckung des Schreibens und des Singens. Das sind zwei Sachen, die ich in meinem Leben immer machen wollte und ich finde dieses Älterwerden kann auch unglaublich etwas anstoßen und die Kreativität fördern, wenn man jetzt nicht nur Angst davor hat!

X: In Ihrem aktuellen zweiten Roman spielt das Weihnachtsfest eine zentrale Rolle. Das steht ja auch zunehmend vor der Tür. Haben Sie schon Ihre Geschenke im Sack? Oder sind Sie eher so die Spontane, um nicht zu sagen „ein auf die letzte Minute“-Typ?
AS: Ich mach' das meistens mit meinem Mann zusammen. Wir suchen uns dann zwei Tage, auch dieses Jahr wahrscheinlich wieder kurz vor Weihnachten, und machen uns dann auf die Suche nach Geschenken für die Kinder. Wir sind beide eher so die „auf den letzten Drücker-Schenker“. Im Gegensatz zum Roman feiern wir auch immer im sehr kleinen Kreis. Nur wir Eltern, die Kinder und die Oma. Die restlichen Weihnachtsfeiertage feiern wir dann groß mit unseren ganzen Freunden. Aber wir haben leider gar keine weitere Familie und insofern feiern wir klein.


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