„Hauptsache, Ihr seid glücklich!“: Tedros Teclebrahn „Teddy“

Unter seinem Geburtsnamen Tedros Teclebrahn kennen ihn zunächst mal nicht so viele. Und da der auch fast schon im Zungenbrecher-Bereich liegt, firmiert er als Komiker einfach als Teddy. Geboren 1983 in Eritrea, kam er bereits nach sieben Monaten mit seinen zwei Brüdern und seiner Mutter nach Deutschland. So ganz einfach war seine Kindheit wohl nicht, u.a. war er ein Jahr lang im Heim. Nach dem Zivildienst ging’s aber auf die Schauspielschule. Bekannt machte ihn dann ein Clip im Internet, in dem er auf der Straße angesprochen einen vermeintlichen Integrationstest macht (Angelo Merten, Ihr wisst schon… Anmerk. d. Verf.). Teddy ist dieser Tage ein vielbeschäftigter Mann - nachdem er vormittags zu Gast bei SWR1 „Leute“ war, geht es weiter zum nächsten Radiosender und selbst auf der Fahrt dorthin gibt er Interviews. Doch weder der Mann selbst ist gestresst, noch durch die Bedingungen (Verkehrsgeräusche, Empfangsprobleme) aus der Ruhe zu bringen. Perfekte Voraussetzungen für ein interessantes und informatives Gespräch!

XAVER: Vor ein paar Jahren hast Du vielleicht mal davon geträumt, dass Du im Interview-Stress sein könntest, jetzt ist das tatsächlich der Fall – genießt Du das noch oder nervt es schon?
Tedros Teclebrahn: Nee, nee, das ist alles noch entspannt. Und das wird von Andreas (Manager, Anmerk. d. Verf.) auch alles sehr, sehr gut organisiert; das macht alles immer noch Spaß!

X: Über ein Jahr nach dem berühmten Clip bei Youtube und nach der eigenen Show kürzlich bei ZDFneo wirst Du mittlerweile ja bestimmt auch auf der Straße erkannt, oder?
TT: Ja, ja. Das hat aber schon letztes Jahr begonnen. Als ich das Video hochgestellt hatte, hat sich innerhalb von zwei Wochen alles verändert. Und meistens ist das auch völlig in Ordnung, es gibt nur Momente, in denen man ein bisschen müde ist und einfach mal in Ruhe gelassen werden möchte. Aber meistens ist alles entspannt.

X: Dieser YouTube-Clip mit dem Integrationstest hat Dich vor etwa einem Jahr schlagartig populär gemacht. Du hast aber das Entertainment-Geschäft von der Pike auf gelernt, Du warst auf der Schauspielschule, bist also von einer eher konventionellen Karriere ausgegangen. Dieser YouTube-Fame war ja vermutlich nicht kalkuliert, oder?
TT: Nein, das konnte ja keiner ahnen, dass das so durch die Decke geht – aber es freut mich natürlich. Und mittlerweile läuft das mehr oder weniger parallel, Fernsehen, YouTube und die Bühne natürlich!

X: Der Clip hat ja viele Leute verwirrt, ob das nun echt oder lanciert war. Was ich aber viel beeindruckender finde, ist dass das nicht geskriptet, sondern improvisiert war!
TT: Genau. Und das ist bei allen meinen Videos so! Ich hab’ zwar vorher ein Thema und eine Situation im Kopf, aber das war’s auch. Es gibt kein Drehbuch oder so, Kamera an und ich lege los.

X: War das also auch der first take oder habt Ihr mehrere Versionen gemacht?
TT: Nee, das war ein Take. Wir wollten loslegen, dann fiel uns ein, dass wir noch ein Handy brauchen, aber dann ging’s direkt los.

X: Hatte oder hat dieser YouTube-Erfolg denn positive Auswirkungen auf Deine Schauspiel-Karriere, also hast Du mehr Rollen angeboten bekommen oder ist das eher kontraproduktiv?
TT: Also bis jetzt ist es positiv. Daraus ist auch viel entstanden, es sind Dinge geplant – u.a. ein Kinofilm - und vor allem sind die richtigen Leute darauf aufmerksam geworden. Ich will aber auf jeden Fall noch ernste Rollen spielen, das ist mir wichtig.

X: Gut, nicht dass Du Dich irgendwann ärgerst, dass Du jetzt aufs Comedyfach festgelegt bist. Aber hier, Stichwort Kino – kannst Du da schon was Konkreteres sagen?
TT: Nein, das ist noch nicht spruchreif. Aber das ist eben die Herausforderung, dann aus dem Comedyfach heraus ernste Sachen zu spielen. Klar, das wird nicht leicht, aber ich hab’ genauso Bock mich auch zu beweisen, was ernste Sachen betrifft, und ich glaube, ich kann da auch überzeugen.

X: War Humor bei Euch daheim ein präsentes Thema, wurde Dir das also in der Familie nahe gebracht, oder kam das eher von außen?
TT: Das war auf jeden Fall ein Thema. Wir sind immer humorvoll mit Dingen umgegangen, auch und gerade wenn etwas mal nicht funktioniert hat oder wenn wir mal eine schwere Zeit hatten, dann wurde das immer mit Humor gelöst – an sich bis jetzt noch!

X: Hattest Du dann auch schon früh persönliche Helden oder vielleicht sogar Vorbilder im Bereich Humor?
TT: Also ich finde ja diese amerikanische Comedy toll und ich fand immer Heinz Erhardt oder auch Rudi Carell super. Jetzt momentan finde ich Hape Kerkeling und Anke Engelke großartig. Es gibt also schon ein paar…

X: Ok, das überrascht jetzt aber schon - wie bist Du denn in Deinem doch recht jugendlichen Alter an Heinz Erhardt gekommen?
TT: Das werde ich oft gefragt, aber ich kann mich daran erinnern, dass das total oft lief, als ich Kind war. Ich saß da mit meinem Bruder vor dem Fernseher, vielleicht waren das auch Wiederholungen, aber wir haben das total abgefeiert. Und in meiner Fernsehshow war jetzt der Enkel von Heinz Erhardt zu Gast und ich habe mit ihm einen Sketch gespielt; das hat mich total gefreut! Und hier: Meine Brüder standen immer total auf diese Comic-Sachen. Mich haben schon immer Menschen oder auch Stimmen interessiert. Ich hab’ schon immer imitiert und mir meine eigenen Geschichten ausgedacht.

X: Du hast eben Deine Brüder angesprochen. Deine Mutter hat Euch aus Eritrea nach Deutschland gebracht und sich hier wohl aufopferungsvoll um Euch gekümmert. Wie war denn ihre erste Reaktion auf Deinen Berufswunsch Schauspieler?
*TT: *Mit meiner Mutter hab’ ich Glück, die hat nämlich immer gesagt: „Hauptsache, Ihr seid glücklich!“ Die steht bis heute bei allem, was wir machen, hinter uns. Meine Mutter ist großartig!

X: War Dein Vater ein Opfer des Bürgerkriegs in Eritrea oder warum hat Deine Mutter Euch allein großgezogen?
TT: Der Bürgerkrieg war der Anlass zu flüchten. Mein Vater ist Kippen holen gegangen. Und da ist er jetzt immer noch. Der kommt bald, sind halt extrem seltene Kippen. Weißt Du, der raucht eben viel, und diese eine bestimmte Marke, die kriegst Du nicht hier in Deutschland.

X: Du hast echt alles versucht, warst u.a. auch bei „Starsearch“...
TT: Ach, ich hab’ ganz früh angefangen und vieles gemacht. Ich habe alles zu meiner Bühne gemacht, hier was moderiert, da einen Modelcontest und aus einzelnen Veranstaltungen wurde dann immer mehr.

X: Du warst dann wohl auch ein Jahr lang in Kanada bei einer Tante. Ist Dir da dann aufgefallen, wie schwäbisch Du bist, hast Du Sachen vermisst oder doch eher die andere Kultur genossen?
TT: Ich habe die andere Kultur auf jeden Fall genossen, aber es war ja auch nicht total fremd da, weil meine Tante meiner Mutter eben sehr ähnlich ist und die eritreische Kultur ja auch in mir ist. Ich mochte die kanadische Kultur und die Menschen da. Ich denke aber auch, überall, wo man hinkommt, in einem fremden Land, oder oft reicht auch schon eine fremde Stadt, da merkt man, wie schwäbisch man ist. Und zwar sowohl positiv, als auch im negativen Sinne.

X: Beispiele bitte!
TT: Was mir immer aufgefallen ist, hier im Schwabenland, da kannst Du Dich auf Dinge verlassen. Wenn da einer sagt, es ist um fünf, dann ist es auch um fünf. Und das ist in anderen Ländern mal völlig anders. Da geht man dann so selbstverständlich und naiv ran und merkt plötzlich, dass man gar nicht mehr in Deutschland ist. Andererseits wünscht man sich die Deutschen auch oft mal ein bisschen lockerer, das ist immer so ein Hin und Her. Mein Herz schlägt aber auf jeden Fall in einem schwäbisch-eritreischen Rhythmus. Denn diese ganze Schauspieler-Sache, das ist etwas, wofür Du hart arbeiten musst, und das ist auf jeden Fall etwas, was ich hier im Schwabenland gelernt habe.

X: Aber Du wohnst mittlerweile in Köln, oder?
TT: Ja, seit drei Jahren schon.

X: Bist Du wegen des Engagements beim Musical „Hairspray“ da hingezogen?
TT: Nein, das wusste ich beim Umzug noch gar nicht. Ich hatte mir da so einen Plan gemacht – das war der ehrgeizige schwäbische Teil von mir - dass ich nach dem Abschluss auf der Schauspielschule meine Koffer packe und nach Köln ziehe. Und so war’s dann auch. Ich hab’ mir dann da direkt eine Agentur gesucht, mich beworben usw. Das ging etwa ein Jahr so, ich hab’ hier und da gedreht und ein, zwei Theaterstücke gespielt und dann kam Ende des Jahres „Hairspray“.

X: Musical ist ja eine ganz eigene Gattung in Sachen Schauspiel. Singen und Tanzen scheint Dir aber gut zu liegen - war Breakdance Teil Deiner Jugend?
TT: Wir haben immer voll viel getanzt. Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke... beim Tanzen hat man auch immer diese kurzen Momente von Freiheit, da kann man einfach alles rauslassen. Musik ist sowieso fett, ich liebe Musik. Das mit dem Musical war dann aber wieder eine riesige Herausforderung, denn ja, man singt und tanzt auch auf der Schauspielschule, aber das, was die beim Musical fordern, war nochmal eine ganz andere Liga. Mich hat die Herausforderung gereizt, ich bin da Runde für Runde weiter gekommen, und das war schon geil. Als ich Bescheid bekam, dass ich den Job hatte, bin ich ausgeflippt.

X: In Deiner Show auf ZDFneo singst Du auch immer wieder mal, das geht aber eher in Richtung Soul – was sind denn Deine musikalischen Favoriten?
TT: Ach, ich bin generell offen, was Musik betrifft. Ich bin mit HipHop und Soul aufgewachsen, so rhythmische Sachen eben, es darf aber auch ruhig mal ruhiger sein.

X: Wird’s denn eine zweite Staffel der Show geben?
TT: Darauf warte ich immer noch, es hat sich noch niemand gerührt. Wir waren zufrieden mit den Quoten und wir wissen, dass da noch viel Spiel nach oben ist, dass wir noch viel pimpen können. Wir hatten alle voll viel Spaß und hätten Bock auf eine zweite Staffel, aber mal sehen, was das ZDF meint!

X: Die Shows im April in der Porsche-Arena und jetzt dann in Ludwigsburg, das sind ja irgendwie Heimspiele. Sind das besondere Shows für Dich?
TT: Also die zwei Tage in der Porsche-Arena, das war der absolute Hammer. Ich kriege aber auch in jeder Stadt, in der ich dieser Tage auftrete, gute Resonanzen. Da kommen Leute danach auf mich zu, die sich bedanken und fragen, wann der nächste Auftritt in der Region ist, das ist also nicht nur eine lokale Sache und funktioniert auch in anderen Städten.

X: Im August hast Du einen großen Auftritt in Ludwigsburg beim Open Air im Residenzschloss. Neben Dir treten da auch Clueso, Dick Brave und Max Raabe auf. Ist da etwas dabei, was Du Dir privat anschauen würdest?
TT: Clueso auf jeden Fall, da war ich sogar schonmal auf einem Konzert und es war großartig. Dick Brave finde ich auch cool, kenne ich aber zu wenig. Und Max Raabe finde ich beeindruckend, weil er eben schon so lange diese Art von Musik macht. Und ich habe auch gehört, dass er auf der Hochzeit von Marilyn Manson und Dita von Teese gespielt hat – aber Hallo!

X: Der Plan, den Du vorhin angesprochen hast, der Dich nach der Schauspielschule nach Köln gebracht hat - liegen da noch Ziele vor Dir?
TT: Ach, ich lass’ mir da vieles offen, aber ein bisschen Struktur braucht man schon… Wenn die mich z.B. bei „Hairspray“ nicht genommen hätten, wäre ich nach Berlin gegangen. Ich brauche aber auch Input. Ich hätte große Lust, auf eine Schauspielschule nach England zu gehen. Ich hätte auch Bock international zu arbeiten. Deswegen mache ich ja auch bei YouTube viele Sachen auf Englisch.

X: Dann bleibt das ja spannend bei Dir. Viel Erfolg weiterhin!


Heirate mich! 2020

Heirate mich! 2020
Hier als blätterbares E-Paper

RätselFUX

Rätselspaß für die ganze Familie
Mehr zu den aktuellen Ausgaben