Glühwein mit Churchill: Rebekka Bakken

Die Norwegerin Rebekka Bakken spielte als Kind schon Violine und Klavier, bevor sie dann als Teenager den Gesang für sich entdeckte. Und aus dieser Berufung hat sie ihren Beruf gemacht und ist in die Welt gezogen. Sie lebte u. a. in Wien, New York und Schweden. Seit 2003 hat sie sechs Soloalben veröffentlicht und wird von der Presse gerne im Jazz verortet – was sie aber gar nicht so gerne für sich in Anspruch nimmt und auch munter Ausflüge gen Country, Folk und Rock unternimmt. Mit einer beachtlich klaren und unverwechselbaren Stimme über drei Oktaven hat sie in Deutschland und Österreich schon diverse Auszeichnungen bekommen und ist gern gesehener Gast auf den Bühnen. Im Dezember hat man die Chance, die Blondine mit der wallenden Mähne mal von einer ganz neuen Seite kennenzulernen, denn mit den „December-Nights“ erfüllt sie sich einen lang gehegten musikalischen Traum. Die Freude auf diese besonderen Shows war ihr schon beim Telefonat ein paar Wochen vorher deutlich anzumerken.

XAVER: Hallo Rebekka, wie geht’s dir denn so?
Rebekka Bakken: Mir geht’s prima, ich bin gestern Nacht erst von einer Tour zurückgekommen und außer diesem Interview werde ich heute sonst gar nichts mehr machen!
**X:** Ach, dann hast du heute gar keinen Promo-Tag und das ist ein ganz exklusives Gespräch? Schön!
RB: Das ist extrem wichtig für mich, immer mal wieder solche Tage zu haben, an denen nichts auf dem Plan steht. Ich genieße das sehr und so tanke ich wieder Energie.

X: Als wir uns vor ein paar Jahren das letzte Mal unterhalten haben, hast du gerade in Wien gelebt, mittlerweile bist du aber wieder nach Norwegen gezogen. Was hat dich wieder in dein Geburtsland zurückgezogen?
RB: Na ja, ich habe eben einen Norweger kennengelernt. Von all den vielen Ländern und Männern auf der Welt, hat es ausgerechnet bei einen aus meinem Heimatland gefunkt, und deswegen bin ich jetzt wieder hier.
X: Du warst viel unterwegs in deinem Leben und hast schon in vielen verschiedenen Ländern und Städten gelebt. Ist das jetzt so was wie „heimkommen“? Hast du das Gefühl, dass du jetzt angekommen bist, oder wirst du in ein paar Jahren wohl wieder weiterziehen?
RB: Ich habe das Glück, dass ich mich eigentlich überall, wo ich mich niedergelassen habe, auch zu Hause gefühlt habe. Ich weiß nichts über die Zukunft, außer dass ich immer meinem Bauchgefühl gefolgt bin und im Moment fühlt sich Norwegen absolut richtig an. Aber ich habe schon immer eine starke Verbindung zu Europa, also mal abgesehen von Skandinavien. Ich schließe also nichts aus, hab mich aber auch nicht für irgendetwas entschieden. Es ist aber tatsächlich so: Ich habe keine Ahnung, was die Zukunft bringt!
X: Bis in den März sind zumindest diverse Konzerte geplant, also die absehbare Zukunft ist schon verplant.
RB: Stimmt, da ist fast alles klar. Aber noch mal zu deiner Frage: Ich komme ja gerade von einer Reihe Konzerte in Deutschland und Österreich zurück, und das sind nun mal meine zwei Lieblingsländer, dann ist es auch wieder schwer vorstellbar den Rest meines Lebens in Norwegen zu verbringen.

X: Deine Eltern haben in Norwegen ein Haus auf einer Insel. Bist du da auch aufgewachsen und hast du eine besondere Beziehung zum Meer?
RB: Oh ja! Wir haben einen großen Teil des Jahres auf dieser Insel außerhalb Trondheims verbracht. Das Salzwasser und das offene Meer sind sehr wichtig für mich und das hat schon fast etwas Magisches. Ich liebe den Blick aufs Meer und auch, mit einem Boot auf dem Meer zu sein.
X: Das wird dann aber schwer in Österreich mit dem Meerblick!
RB: Stimmt auch wieder! (lacht) Mir reicht es aber, wenn ich das Meer ein paar Mal im Jahr sehe. Das Haus auf der Insel gibt es immer noch und ich bin jeden Sommer dort. Aber du hast natürlich recht, als ich in Wien gewohnt habe, hat mir das Meer schon sehr gefehlt.

X: Nachdem du an so vielen verschiedenen Orten gelebt hast, hat das auch Einfluss auf dein persönliches Weihnachtsfest gehabt, hat das Spuren hinterlassen?
RB: Das ist eine sehr gute Frage. Weißt du, für mich war Weihnachten immer sehr frei und ich musste mich nie an irgendwelche Traditionen halten, und das war auch sehr befreiend. Manchmal feiere ich mit meiner Familie, manchmal irgendwo mit meinen Freunden … ich war halt auch viel unterwegs und manchmal auch um die Weihnachtszeit herum sehr beschäftigt. Mein Fest ist also nicht an irgendwelche Sachen gebunden, die ich unbedingt machen muss. Für mich zählt der ganze Dezember zu Weihnachten und am liebsten verbringe ich den Dezember auf Reisen. Ich liebe die Weihnachtsmärkte mit ihrer Lichterflut und der tollen Deko. Und außerdem liebe ich Glühwein, Lebkuchen und Christstollen!
X: Dann gibt es in Skandinavien keine Weihnachtsmärkte?
RB: Nein, leider überhaupt nicht!

X: Im Dezember kommst du schon wieder nach Deutschland um eine Reihe ganz besonderer Konzerte unter dem „December-Nights”-Banner zu spielen…
RB: Wir spielen Weihnachtslieder und winterliche Songs. Ich habe extra dafür Weihnachtssongs geschrieben und aufgenommen. Ich habe schon seit vielen, vielen Jahren eine geheime Leidenschaft für Weihnachtssongs. Und jetzt habe ich auch endlich ein eigenes Weihnachtsalbum aufgenommen. Dieses Album wird es aber nur in limitierter Auflage und exklusiv auf diesen Shows geben. Das ist ein richtig großes Ding für mich, weil ich das wirklich schon so lange machen wollte mit dem Album und diese Shows werden somit auch etwas ganz Besonderes. Ich liebe Weihnachten!
X: Wow. Und das Album wird’s nach der Tour nicht anderweitig zu kaufen geben?
RB: Nein. Wir haben uns im Sommer für das Album und die Tour entschieden und es sollte eben ein Weihnachtsgeschenk werden. Ich mag das Album sehr und freue mich schon voll darauf, die Songs mit dieser tollen Band auf der Tour zu spielen.
X: Habe ich dich eben richtig verstanden, du hast das Weihnachtsalbum im Sommer aufgenommen?
RB: Genau. Ich habe die Songs im Sommer geschrieben und dann im September aufgenommen.
X: Stelle ich mir auch seltsam vor, so aus der Sonne in den dunklen Studioraum zu treten und dann dort Weihnachtsstimmung im Hochsommer zu zaubern!
RB: Genau so war es, ich bin aus der Sonne ins dunkle Studio und an mein Klavier und hab dann die Weihnachtslieder komponiert. Da war schnell eine besondere Magie im Raum und sie hat sich auch ohne den Dezember entfaltet. Mir ist bei der Arbeit an diesen Songs auch erst so richtig bewusst geworden, was der Advent und Weihnachten für mich bedeuten.
X: Wenn du sagst, dass du die Songs komponiert hast, dann heißt das, dass du keine traditionellen Weihnachtslieder neu interpretiert aufgenommen hast, sondern dass du neue Songs geschrieben hast?
RB: Genau, ich habe fünf neue Songs geschrieben. Und dann habe ich noch zwei traditionelle Songs und eine Überraschung aufgenommen – die bleibt aber auch bis zu den Konzerten geheim! (lacht)

X: Einige der „December-Nights“-Konzerte finden sogar an besonderen Orten statt, manche sogar in Kirchen. Sind solche Räume eine zusätzliche Motivation für dich?
RB: Natürlich, so was ist ja nicht alltäglich. Aber es sind ja viele Faktoren, die Anteil an einer besonderen Show haben. Ich habe eine fantastische Band dabei und wenn dann noch ein besonderer Raum und ein entsprechendes Publikum dazu kommen, dann ist Magie im Raum. Und ich habe auch eine besondere Beziehung zu Kirchen, weil ich quasi in ihnen aufgewachsen bin. Meine Mutter hat mich als Kind immer mit in die Kirche genommen. Es ist also etwas Besonderes für mich, in Kirchen zu singen und aufzutreten.
X: Wo du gerade die Band ansprichst; mit was für einer Besetzung spielst du denn die Tour?
RB: Ich wollte das bewusst sehr intim halten und habe Musiker ausgewählt, die ich allesamt schon Jahre kenne: Jesper Nordenstrøm an Klavier und Orgel, Ola Gustafsson an der Gitarre und Rune Arnesen an Schlagzeug und Percussion. Wir werden also nur zu viert auf der Bühne sein und mit viel Gefühl füreinander agieren.
X: Dann stehen jetzt also noch Proben für diese Konzerte an?
RB: Nein, das ist größtenteils schon im Studio passiert. Aber bevor die Tour dann startet, treffen wir uns noch und bereiten und zwei Tage lang gemeinsam vor.

X: Ende November spielst du noch ein Jazzfestival auf Mallorca. Die Insel assoziiert man jetzt nicht zuallererst mit Jazz. Bist du vorher schon dort aufgetreten?
RB: (zögert) Puh, ich weiß es gar nicht so recht, ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Aber ich bin auch berühmt für mein schlechtes Gedächtnis! (lacht) Auf den spanischen Inseln gibt es aber so schöne Ecken und tolle Festivals. In Sachen Mallorca bin ich mir nicht sicher, aber ich war schon auf Ibiza und auch auf Lanzarote. Ich trete aber allgemein sehr gerne in Spanien auf, die haben eine sehr lange Tradition des Singens und obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen, fühle ich mich dort sehr verstanden.
X: Du hast eben dein schlechtes Gedächtnis erwähnt. Das stelle ich mir recht schwierig vor in deinem Bereich, du musst dir doch ständig Texte auswendig merken!?
RB: Ach, bei meinen eigenen Texten geht das ganz gut. Und wenn ich viel spiele, dann habe ich eh alles präsent, aber mein Kurzzeitgedächtnis ist besser als mein Langzeitgedächtnis. Aber hey, ich bin immer noch am Leben, so gefährlich scheint es also nicht zu sein! (lacht)

X: Du hast mit der Musik deine Berufung gefunden, aber wie ist das bei dir privat? Sammelst du Musik, hast du viel Vinyl daheim oder hast du mittlerweile vielleicht auf digital umgestellt?
RB: Ich habe von meiner Großtante an die 400 Platten vererbt bekommen. Und ich war echt überrascht, was sie da so alles dabeihatte. Sie wäre heute 90 Jahre alt. Aber mir fehlt im Moment die Nadel an meinem Player. Und ich kaufe mir gerade auch nicht so viel wie früher. Aber ich mag es lieber, Platten zu hören und hab nur wenig in digitaler Form. Ich verliere auch ständig die gekauften Dateien. Und auch Spotify und Ähnliches ist nicht so meine Welt.
X: Und welches Album, oder welchen Künstler aus deiner Sammlung hast du am häufigsten gehört?
RB: Das müsste etwas aus der Bob Dylan-Abteilung sein. Obwohl ich auch nicht mehr so viel Musik höre wie früher. Ich genieße die Stille und wenn ich Musik hören möchte, dann tue ich das sehr bewusst.

X: In einem anderen Interview wurdest du gefragt, wen du gerne mal treffen würdest, egal ob die Person tot oder lebendig ist. Und du hast dir Jesus und Winston Churchill gewünscht – warum denn gerade die zwei?
RB: Na ja, man kann ja schlecht nicht Jesus sagen! Aber Churchill war so ein faszinierender Mann. Er war nicht nur sehr schlau, er war auch Philosoph und konnte sich so gewählt ausdrücken und so großartig formulieren. Ich glaube, der war bestimmt auch sehr unterhaltsam.
X: Und er hat ja tatsächlich auch, wie kürzlich Bob Dylan, den Literaturnobelpreis gewonnen!
RB: Echt? Das wusste ich nicht! Das ist ja cool, danke für die Info!


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