Gemeinsam und jeder für sich: Les Holroyd, Mick Rogers, Martin Turner

Ende Oktober kommt es in Aalen zu einem regelrechten Gipfeltreffen. An ein und demselben Abend treten nacheinander Barclay James Harvest, Manfred Mann’s Earth Band und Wishbone Ash auf! Mit jeder Band hätte man ein ausgiebiges Interview führen können, anstatt uns also für eine der Bands zu entscheiden, haben wir alle drei zu Wort kommen lassen. Übersichtlich ist das wohl nicht geworden, interessant aber allemal! Es treten auf bzw. es traten zum Interview an:
Les Holroyd (LH / Barclay James Harvest / BJH)
Mick Rogers (MR / Manfred Mann’s Earth Band / MMEB)
Martin Turner (MT / Wishbone Ash / MA)

XAVER: Sie sind nun schon lange professionelle Musiker. Können Sie sich denn noch an ihre erste Bandprobe in einem Übungsraum erinnern? Wie fühlte sich das an und haben Sie damals direkt beschlossen, dass das Ihre Berufung ist?
MR: Nein, ich kann mich kaum noch an mein erstes Mal in einem Proberaum erinnern, aber die Entscheidung Musiker zu werden fiel mir nicht schwer. Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen und war immer von Musik umgeben. Es war also eher so, dass die Musik mich geholt hat, als dass ich mich groß für sie entschieden hätte.
MT: Ich habe schon in den verschiedensten Proberaumsituationen gespielt. Als Bandkopf muss man erkennen können, wo es auf der Probe hakt. Da greife ich auch zu Tricks. Manchmal hilft es beispielsweise, jemanden zu provozieren oder etwas zu sticheln - das klappt besonders gut bei Gitarristen und Soli. Wenn man dann alles im Griff hat und es toll klingt, dann gibt es einfach nichts Besseres.
X: Hatten Sie Musikunterricht oder haben Sie sich die Instrumente, die Sie spielen, selbst beigebracht?
LH: Meine Mutter hat mir Gitarre- und Klavierspielen beigebracht, danach bekam ich ein paar Lektionen in klassischer Gitarre. Das meiste habe ich mir jedoch selbst beigebracht.
MR: Gitarrespielen habe ich mir selbst beigebracht. Mein Onkel spielte Bass und Gitarre, dem hab ich oft über die Schulter geschaut und mir Sachen gemerkt. Außerdem hab ich angefangen Elvis zu hören und hab auch von ihm viel übernommen. Aber Musikunterricht der klassischen Art hatte ich nie.
MT: Mir wurde das Notenlesen als ich klein war und dann im Chor beigebracht, es war mir aber immer zuwider. Mir lag es immer eher, Sachen herauszuhören. Es ist oft besser nicht zu wissen, was die Musiktheorie zu einem Thema meint, denn dann kann man freier an die Sache herangehen.
X: Mit dem Wissen und der Weisheit von Jahrzehnten im Musikgeschäft, was würden Sie einem jungen Künstler raten, der von einer Karriere träumt - was ist das Wichtigste?
LH: Am wichtigsten ist es, an die Musik und nicht an das Geld zu denken. Man sollte nicht glauben, dass man in dieses Business einsteigt und sofort Millionen von Dollars verdienen wird. Wichtig ist auch, nicht auf die falschen Leute zu hören. Das sind die, die immer ans Geld denken.
MR: Das Wichtigste ist einfach, bei der Sache zu bleiben. Man sollte sich auch nicht allzu viel aus dem Rat anderer Leute machen, einfach dranbleiben und weiter werkeln. Man sollte sich nicht verbiegen lassen, nicht aufgeben und das eigene Ding machen.
MT: Such dir etwas anderes um deinen Lebensunterhalt zu verdienen! Das Musikbusiness ist schwierig. Entweder ist man am Rumkrebsen und bekommt einen Hungerlohn oder man hat etwas Erfolg und dann tauchen die Haie auf und wollen an deinem Erfolg teilhaben.
X: Manch einer hat auf die oben gestellte Frage auch geantwortet, dass es wichtig ist, einen guten Anwalt zu haben…
MR: Klar, das kann auch eine wichtige Sache sein. Aber ich denke, da ist ein guter Manager wichtiger. Jemand der dich führt, sich kümmert und weiß, was du willst.
MT: Ich hab so einen!
X: Im Oktober spielen BJH, MMEB und WA mehrere Shows zusammen. Wie kam denn die Idee auf?
LH: Wir haben mit beiden Bands schon gearbeitet und bereits etliche Konzerte in der jüngeren Vergangenheit gegeben. Diese Zusammenstellung kam immer gut an und so beschlossen wir, ein paar mehr Shows zusammen zu machen.
MR: Das war gar nicht so sehr die Idee der Musiker selbst, das kam eher von den Veranstaltern. Mir wurde gesagt, dass ich da zu erscheinen habe, also bin ich da, so läuft das eben… Aber ich finde wirklich, dass es toll ist mit ihnen zu spielen, es ist ‚ne gute Idee. Den Leuten wird das sehr gefallen und es wird funktionieren.
MT: Wir haben mit beiden schon früher gespielt und die Bands kommen sowohl musikalisch als auch persönlich gut miteinander aus.
X: Alle drei Bands sind aus Großbritannien und haben sich in irgendeiner Art und Weise dem Rock verschrieben. Ich vermute also mal, Sie kennen sich schon länger. Können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie sich das erste Mal begegnet sind?
MR: Könnte man meinen ja, ist aber gar nicht so. Obwohl wir alle aus dem selben Land kommen, hab ich WA erst vor 16 oder 17 Jahren kennengelernt. Bei BJH ist es sogar erst vor fünf Jahren zum Treffen gekommen. Wir haben noch nie etwas zusammen gemacht, aber sie sind nette Jungs und darauf kommt es an!
MT: Nicht wirklich. MMEB machen sich recht rar in Großbritannien und den Namen BJH hatte ich zwar schon früher gehört, kennengelernt haben wir uns aber erst vor ein paar Jahren - in Deutschland.
X: Werden das besondere Shows sein, werden Sie vielleicht sogar ein paar Songs zusammen spielen oder etwas in der Art?
LH: Unsere Musik ist viel zu unterschiedlich, als dass wir Songs gemeinsam performen würden. Jeder macht seine eigene Show.
MR: Nein, es ist zwar ein besonderes Zusammentreffen, aber wir werden alle unsere eigenen Shows spielen.
MT: Nein, normalerweise spielen wir nicht zusammen.
X: MMEB war eine der Bands, die Boy Dylan einer breiten Masse bekannt gemacht haben. Über die Jahre hat MMEB mehr als zehn Songs von ihm interpretiert; was ist also das Besondere an ihm und seinen Songs?
MR: Als ich Bob Dylan getroffen habe, war er einfach nur ein Typ mit einer Gitarre, der gute Songs gespielt hat. Ich glaube es ist dieses Schlichte, das ihn so besonders macht.
X: Werden MMEB denn schon Songs vom neuen Album, das 2014 erscheinen soll, in Aalen spielen?
MR: Nein, von diesen brandneuen Songs werden wir auf dieser Tour nichts spielen. Wir spielen die Klassiker und Songs von unseren letzten Alben.
X: Dann wird bestimmt auch „Blinded By The Light“ dabei sein. Der Song wurde ja von Bruce Springsteen geschrieben und MMEB haben dann einen #1-Hit daraus gemacht. Wie seid Ihr denn auf den Song gestoßen?
MR: Wir haben uns das Springsteen-Album angehört. Und der Track klang ähnlich simpel, wie die Dylan-Sachen. Wir hatten eine andere Version im Auge und wollten den Song einfach nach unserer Band klingen lassen.
X: Sie haben MMEB von 1975 bis 1983 den Rücken gekehrt. In dieser Zeit wurde Ihnen u.a. auch angeboten bei Uriah Heep einzusteigen, Sie haben sich aber dagegen entschieden. Haben Sie diese Entscheidung denn je bereut?
MR: Nein! Wir sind nach wie vor gut befreundet. Ich hab sie 1965 kennen gelernt und seitdem sind wir Freunde. Es gab mehrere Gründe, warum ich nicht eingestiegen bin, aber ich hab es nie bereut.
X: Auf ihrem letzten Mick Rogers-Soloalbum „Sharabang“ haben sie einige bekannte Songs in ihrer eigenen Art neu bearbeitet. Nach welchen Kriterien suchen Sie diese Songs aus?
MR: Sie müssen mir einfach gefallen. Ich hab nur Songs ausgewählt, die ich mag. Trotzdem war es das letzte Album dieser Art. Das nächste wird komplett anders und es werden fantastische Musiker darauf zu hören sein.
X: WA waren unter den ersten, die den „Twin Lead Guitar“-Sound etabliert haben. Wie kam es denn dazu?
MT: Ich sang pseudo-klassische Melodien, die besser klangen, wenn man sie auf die Gitarre übertrug. Wenn man sich die Beatles, die Stones, The Who oder auch Pink Floyd anhört, dann haben die alle einen eigenen, sofort wiedererkennbaren Sound. Die Gitarren-Harmonien machen diesen Sound bei WA aus, sehr charakteristisch.
X: Herr Turner, Sie sind ein regelrechter Autonarr; stimmt es, dass Sie es ablehnen rote Autos zu fahren?
MT: Ja, ich hab jede Menge blitzschneller Autos gehabt. Ein paar deutsche, ein paar italienische und in den 70ern hatte ich sogar ein paar Jaguar/Daimler V12-300PS-Monster. So wie ich gefahren bin, als ich jung war, muss ich einen wirklich guten Schutzengel gehabt haben. Ich hatte schon immer ein gestörtes Verhältnis zu roten Autos, ich hab die instinktiv abgelehnt. Irgendwann hab ich dann gewusst warum, mein Vater kam in einem roten Auto ums Leben. Rote Autos? Nichts für mich!
X: Sie haben mal ein Soloalbum namens „Walking The Reeperbahn“ herausgebracht. Haben Sie also ein besonderes Verhältnis zu Hamburg und dieser besonderen Straße?
MT: Ich bin am Meer in Südwestengland aufgewachsen. Ich wusste, dass Hamburg ein toller Hafen ist, der 1943 stark durch Bomben zerstört worden war. Die Beatles haben am Anfang ihrer Karriere dort viel Zeit verbracht und als ich dann in den 70ern das erste Mal dort auftrat, haben mich die Clubs auf der Reeperbahn sofort in ihren Bann gezogen. Viel später hab ich dann einen Song darüber geschrieben und ich glaube, dass ist einer der natürlichsten und menschlichsten, die ich je geschrieben habe.
X: „Hymn” ist wohl der bekannteste BJH- Song, war der Song ihnen denn je lästig und haben Sie sich vielleicht sogar schon geweigert, ihn live zu spielen?
LH: Manchmal wird man natürlich müde, immer die gleichen Lieder zu spielen. Doch selbstverständlich haben wir es im Programm, weil es die Leute hören wollen. Davon abgesehen ist „Hymn” nur einer unserer erfolgreichsten Songs. „Life is for Living“ ist unser erfolgreichstes Lied, deshalb spielen wir es normalerweise auch immer am Ende einer Show.
X: Was kommt Ihnen denn als erstes in den Sinn, wenn Sie an Deutschland denken?
LH: Ich denke an die vielen Jahre, die wir dort schon spielen - natürlich vor allem an unser Konzert in Berlin - und an die tolle Zeit, die wir in Deutschland immer hatten. Und besonders denke ich an meine Frau.
MR: Es ist ein tolles Land mit tollen Leuten, außerdem hab ich ein deutsches Management!
MT: „Ein grosse Bier bitter und ein Currywurst mit Pomme Frites.“ Ich mag die Deutschen sehr, mein bester Freund hat sogar eine deutsche Frau!
X: Und spielen BJH „Life Is For Living“ immer noch in der deutschen Version?
LH: Nein, ich weiß mittlerweile, dass ich nicht sehr gut Deutsch singe und mit der Person, die das damals übersetzt hat, auch nicht sehr gut beraten war. Meine Band und ich singen auf Englisch, und dabei bleibt es auch.
X: Haben Sie vielleicht ein deutsches Lieblingswort?
MR: (lacht) Die Frage kommt immer wieder mal… Der Satz „Wir würden Ihnen gerne mehr Gage bezahlen“ wäre toll. (lacht) Aber ich hab eigentlich kein bestimmtes Lieblingswort… ok, „Schnellimbiss“ vielleicht.
MT: Ja!
X: Musik ist wohl mit das Wichtigste in Ihrem Leben, aber was machen Sie denn abgesehen davon sonst noch gerne?
MR: Das ist ‚ne harte Frage, weil Musik einfach mein Leben ist. Fast alles in meinem Leben hat mit Musik zu tun. Aber abgesehen davon fahre ich gerne Autos, besonders die schnellen!
MT: Ab und an Stock Car-Rennen, oder ich geh zu einem Chelsea-Spiel. Außerdem hab ich angefangen, mich mit Astronomie zu beschäftigen und verbringe natürlich gerne Zeit mit meiner Familie.
X: Waren Sie als Musiker je an einem Punkt, wo Sie alles hinschmeißen und etwas ganz anderes machen wollten? Schafe züchten oder etwas in der Art?
LH: Manche mögen denken, Schafe zu züchten oder in der Vergangenheit zu leben ist eine gute Idee. Ich aber möchte mich weiterentwickeln. Musik ist nach wie vor die beste Möglichkeit, mich auszudrücken.
MR: Nein, nie. Ich arbeite täglich an meiner Musik und ich liebe es. Wo ich bin, ist meine Gitarre nicht weit.
MT: Nicht wirklich. Wann immer ich anfing zu zweifeln, hat mich mein Schicksal immer wieder auf den Pfad der Musik und Kreativität zurückgeführt.


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