Feurige Cornflakes: Blues Pills

Blues Pills sind eine vierköpfige Band mit Mitgliedern aus drei Nationen. Sie spielen Blues Rock mit einem extragroßen Soul-Sahnehäubchen und haben mit Elin Larsson eine Sängerin in ihren Reihen, die man unter Tausenden erkennen würde. Erst seit 2011 am Start stürmten sie an die Spitze des Retro-Rock Genres und hatten bis vor Kurzem noch nicht einmal ein komplettes Album auf dem Markt - was sie nicht davon abhielt, in Australien und Europa bereits ausgiebig zu touren. Das mit dem Album ändert sich nun Ende Juli. Nach umjubelten Shows am Samstag auf der Loreley (wie passend!) und am Sonntag beim Hellfest in Frankreich, begann am Montag der dreitägige Interview-Marathon um ihr selbstbetiteltes Debütalbum optimal zu promoten. XAVER freut sich über einen frühen Gesprächstermin und eine sehr gut gelaunte und vor Leidenschaft und Herzlichkeit sprühende Sängerin Elin Larsson.

XAVER: Hallo Elin. Nach den tollen Shows am Wochenende steht Dir jetzt tagelang ein Interview nach dem anderen bevor. Nervt das schon?
Elin Larsson: Ach was, mir geht’s gut. Ich freue mich über das große Interesse an unserem neuen Album und hey, hier ist es wunderbar warm. Daheim in Schweden ist es fies kalt!

X: Elin, nachdem ich die „Devilman“-EP schon richtig gut fand: Gratulation zum Album! Hast Du denn einen Lieblingssong auf dem Album?
EL: Oh … ähhh … das kommt immer auf meine Stimmung an. Ich mag „Little Sun“ sehr gerne, denn das ist ein sehr persönlicher Song. Ich habe den Text zusammen mit Zack (Bassist der Band, Anmerk. d. Verf.) geschrieben. Und es geht um einen Freund, den wir sehr gut kennen. Ich liebe es, den Song zu spielen, denn da kommen immer viele Erinnerungen hoch.
X: Ach, dann beziehen sich die Texte, die Du bzw. die Ihr schreibt auf persönliche Erfahrungen, und sind nicht fiktional?
EL: (lacht) Ach, das ist mal so und mal so. Aber „Little Sun” ist ein außergewöhnlich persönlicher Song. Bei anderen Songs wie z.B. „Jupiter” ging es uns eher um Sachen, die uns aufregen, die weltweit im Argen liegen und die uns beschäftigen. Unfaire Sachen, die wichtig sind.

X: Du hast das schon oft gehört, aber es ist nun mal so: Du hast eine außergewöhnliche Stimme. Wann wurde das entdeckt und wie kamst Du zum Singen?
EL: Als meine Schwester und ich klein waren, verbot uns meine Mum das Fernsehen. Dadurch haben wir sehr viel gespielt, gemalt und gesungen. Und Musik war immer präsent. Mit fünf Jahren hatte ich meinen ersten Unterricht in Sachen Musik und Rhythmus. Wir haben auf Trommeln und Glocken afrikanische Beats geklopft, gesungen und herumgestampft. Außerdem hatte unser Vater die größte Platten-Sammlung der Gegend, er war ein großer Beatles-Fan. Mit zwölf wurde mir selbst dann erstmals klar, dass ich eine richtig kräftige Stimme habe. Was aber auch damit zusammenhing, dass ich eine Menge Soul gehört hatte; Aretha Franklin und solche Sachen. Wenn man so jung ist, versucht man viel nachzumachen, man kommt zwar nicht ans Original heran, aber egal, das beeinflusst und inspiriert einen auf dem eigenen Weg. Ich habe zu dieser Zeit also gemerkt, dass ich eine kräftigere Stimme als meine Freunde oder meine Schwester hatte. Ich habe jede Menge gesungen und herumgeschrien und bin mir heute gar nicht mehr so sicher, ob meine Eltern das so cool fanden.
X: Ah, ok, dann ist Deine Schwester also wohl eher keine Berufsmusikerin geworden?
EL: Nein. Ich habe mich für die Musikhochschule entschieden, sie für die Schauspielschule. Aber sie ist außerdem noch eine richtig gute Malerin.
X: Das klingt nach einer richtig künstlerisch veranlagten Familie …
EL: Naja, zumindest meine Schwester und meine Mutter. Als wir klein waren hatte meine Mum sogar ein kleines Theater, Kunst und Musik waren also immer irgendwie präsent.

X: Ihr vereint gleich drei Nationen bei Euch in der Band. Das Zuhause der Band ist Örebrö, Schweden. Warum habt Ihr Euch nicht für die USA oder Frankreich entschieden?
EL: So ganz genau weiß ich das nicht. Aber ich denke, es hat auch damit zu tun, dass es hier einfach am Unkompliziertesten funktioniert. In Schweden ist es viel einfacher als Band einzureisen, als es das in den USA ist.

X: Wie ist denn Euer Status in den Staaten? Seid Ihr da auch schon so populär wie in Europa?
EL: Nein, ich denke wir sind in Amerika noch nicht so bekannt. Aber ich hoffe, es klappt bald mit einer Tour, sodass wir das ändern können. Das Album wird im August auch in den USA veröffentlicht und dann schauen wir mal.

X: Ihr habt das Album ja im letzten Oktober aufgenommen und da auch ein paar der bereits von den EPs bekannten Tracks neu arrangiert aufgenommen. Habt Ihr denn mittlerweile neue Songs fürs zweite Album geschrieben?
EL: Ja, wir haben tatsächlich schon zehn neue Songs - nee, Quatsch. Aber es ist so, dass man nie weiß, wann einen die Kreativität heimsucht. Dann kann es schon mal sein, dass man eine ganze Ladung neues Material in nur einer Woche schreibt. Wir sprachen erst letzte Woche mit unserem Produzenten und ich will wieder ins Studio und neues Material aufnehmen! Wir werden versuchen, wenn die Zeit gut ist, ein paar Sachen aufzunehmen und dann in etwa einem Jahr mit neuem Material raus kommen.

X: Wie läuft das bei Euch? Entstehen die Songs gemeinsam im Proberaum, oder gibt es jemanden, der vorarbeitet und mit fertigen Parts in die Probe kommt?
EL: Beim neuen Album wurde das Meiste an Musik und Texten von Zack und mir gemacht. Das Ding ist aber, dass auch die anderen Jungs enorm talentiert und Multiinstrumentalisten sind. Unser Gitarrist Dorian kann z.B. super Schlagzeug, Klavier und Bass spielen. Mit Zack habe ich aber einen richtig guten Weg gefunden und ab und an werkel ich auch für mich selbst an Ideen herum. Ich kann ganz passabel Klavier und Gitarre spielen und wenn etwas da ist, zeig ich es den Jungs und die sorgen dann dafür, dass es richtig gut klingt!

X: Arbeitet Ihr dann auch an neuem Material, wenn Ihr unterwegs seid?
EL: Als ich am Wochenende nach Frankreich zum Hellfest geflogen bin, habe ich sogar im Flugzeug etwas aufgenommen! Ich hatte so eine coole Melodie im Kopf, saß im Flieger und habe es dann mit meinem Telefon festgehalten. Mal schauen, was daraus wird. Oft fehlt unterwegs Zeit, Raum und Muße, wenn man in einem engen Van sitzt und vielleicht müde ist. Es ist aber schon vorgekommen, dass wir unterwegs die Möglichkeit hatten zu jammen und daraus dann später ein Song wurde.

X: Ich stelle mir gerade vor, wie Du im Flugzeug Dein Smartphone zückst und inbrünstig lossingst. Und wie die Leute um Dich herum wohl reagiert haben!
EL: (lacht) Ja, ich bemühte mich, nicht so laut zu singen und mümmelte nur so in mein Telefon. Aber ich musste das einfach aufnehmen. Das geht mir oft so, dass sich plötzlich eine tolle Idee breit macht und wenn ich es nicht festhalte, dann fällt mir das später nie wieder ein.
X: Na, dann sind wir doch auch mal froh über die moderne Technik und dass fast jeder so ein kleines Aufnahmegerät mit sich herumträgt. Vor zwanzig Jahren war das noch undenkbar!
EL: Ja, da hast Du absolut recht!

X: Das Artwork Eures Debüts passt perfekt zum Sound. Wer hat das gemacht?
EL: Das ist von der niederländischen Künstlerin Marijke Koger-Dunham und es ist eine tolle Geschichte, wie es dazu kam: Die Frau hat für die Beatles gemalt, Eric Claptons Gitarre und George Harrisons Kamin verziert. Sie ist also richtig berühmt. Und wir hatten genau ihren Stil im Auge. Und dann hat unser Bassist Zack gemeint, dass er sie vielleicht irgendwie kontaktieren könnte. Wir anderen haben das zu keiner Zeit geglaubt. Er schickte ihr also eine Mail und ein paar Songs und sie reagierte darauf tatsächlich begeistert! Sie ließ uns die Wahl, ob sie uns etwas Neues malen soll, oder ob wir eines ihrer früheren Werke verwenden wollen. Wir haben dann etwas von ihr aus den 60er-Jahren gefunden und wussten sofort, dass wir genau das haben wollen.
X: Werdet Ihr sie denn bald mal persönlich treffen?
EL: Ich hoffe es. Das wäre so cool. Sie näht auch Kleider und ich habe mir Bilder von ihr bei Google angeschaut. Sie ist bis heute total hübsch - und sie dürfte mittlerweile wohl so um die 70 sein. Früher hat sie schön wie ein Model ausgesehen!

X: Vor ein paar Tagen habt Ihr in Schwerin bei einem Box-Kampf von Jürgen Brähmer gespielt. Seid Ihr denn Box-Fans?
EL: Nee, gar nicht. (lacht) Aber wir verbuchen das mal als Erfahrung. Ich bin an sich gar nicht so für Gewalt, aber hey, die anderen drei waren dafür und wollten das machen. Es war aber schon cool und der Boxer hat wohl auch gewonnen, immerhin.

X: Und wo wir gerade beim Thema Sport sind: Habt Ihr gestern das Spiel USA-Portugal gesehen?
EL: Nee, Fußball ist nicht so meins und Schweden ist ja dieses Mal auch leider nicht dabei.

X: Euer Drummer Cory Berry ist zurzeit gar nicht mit Euch unterwegs und wurde durch den ehemaligen Truckfighters-Schlagzeuger André Kwanström ersetzt. Ist das eine Übergangslösung oder ist André jetzt dauerhaft in der Band?
EL: Du hast recht, Cory kann aus persönlichen Gründen gerade nicht dabei sein. Es ist schwierig … (zögert) ich hoffe … man wird sehen, was passiert, ich kann da jetzt noch nichts dazu sagen. André ist ein langjähriger Freund, auch von Cory und hey, er hat einen goldenen Bart!

X: Ich habe gelesen, dass Du überhaupt erst in die USA gereist bist, als Du Zack und Cory kennengelernt hast. Weil Du in Deinem Job gefeuert wurdest. Was hast Du den angestellt?
EL: Ach, ich war wohl einfach grottig. Zu der Zeit habe ich in einem schicken Hotel in der Frühschicht im Service gearbeitet und war fürs Frühstück zuständig. Mein Vorgesetzter monierte, dass ich nicht so wie die anderen Kollegen für meinen Job „brannte“. Ich habe wohl die Frühstücks-Cerealien mit zu wenig Begeisterung aufgefüllt. Aber ich bin ihnen im Nachhinein dankbar, dass sie mich rausschmissen und ich auch das Geld zur Seite gespart hatte, um mir das halbe Jahr in Kalifornien leisten zu können.

X: Hältst Du manchmal inne und denkst, wie verrückt das alles ist, in kürzester Zeit einen Plattenvertrag an den Start zu bekommen und weltweit zu touren?
EL: Ja, sogar oft. Ich bringe das häufig nicht zusammen. Dieses große Interesse an uns und dieses unterwegs sein. Dass das wirklich wir in den ganzen Magazinen sind und dass ich jetzt hier mit Dir rede. Das ist alles ganz schön verrückt!
X: Ja, und gleich wachst Du aus dem Traum auf und sollst im Hotel die Cornflakes auffüllen - aber mit Feuer bitte!
EL: Boah, das wäre mies! (lacht herzlich)

X: Das mit dem weltweiten Touren ist ja wohl ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Aber die viele Reiserei hat bestimmt auch weniger angenehme Seiten. Was war denn das Krasseste, was Dir seither auf Tour passiert ist?
EL: Das war dann wohl in Australien. Wir waren im Van unterwegs und ich musste mich plötzlich übergeben. Wir hatten noch vier Stunden Weg nach Sydney und ich keine Ahnung, was los war. Ich musste mich permanent übergeben - und da kam echt seltsames Zeug aus mir raus! Ich ging also in Sydney ins Krankenhaus und ich glaube, die Jungs spielten eine Instrumentalshow. Ich hatte eine Höllenangst und mir war schwindelig. Sie sagten mir, dass etwas mit meiner Leber nicht stimmt und ich - ohnehin leicht hypochondrisch veranlagt - dachte echt, dass ich jetzt in Sydney sterben muss. Ich habe eine Menge Medikamente bekommen und bin nachts aufgewacht. Mein ganzer Körper fühlte sich prall angeschwollen an und ich bekam kaum Luft. Ich ging ins Bad und als ich das Licht anschaltete, war mein Gesicht auf die dreifache Größe angeschwollen! Der Arzt meinte aber, dass das nicht gefährlich sei und ich mir keine Sorgen machen müsste. Ich habe keinen Ton rausbekommen und am Tag darauf haben sie mich dann gehen lassen, obwohl ich immer noch ziemlich zugeschwollen war. Meine Jungs sollten mich abholen und sind erst mal an mir vorbeigelaufen, weil sie mich nicht erkannt haben! Was es genau war, weiß ich bis heute nicht. Es ist alles wieder in Ordnung und meiner Leber geht’s bestens!

X: So, zum Abschluss eine etwas abwegige Frage: Wenn Ihr zu einem bestehenden Film den Soundtrack beisteuern könntet, welchen würdet Ihr Euch aussuchen?
EL: Oh, coole Frage … (überlegt), das ist schwer. Aber hier: Garden State wäre eine gute Wahl, denke ich!

X: So, das waren meine Fragen. Vielen Dank für das interessante Gespräch. Ich freue mich schon, Euch beim Summer Breeze endlich live zu sehen!
EL: Ich danke Dir, danke fürs Interview und dann bis zum Summer Breeze!


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