Die Mann/Frau Formel: Mario Barth

Er ist der erfolgreichste Komiker Deutschlands. Punkt. Keiner begeistert die Massen wie er, teilt sie aber andererseits auch so. Und wie andere Ferrari-Fahrer auch, bekam er mit dem materialisierten Erfolg in Form des Fahrzeug-Schlüssels auch gleich die Neider mit dazu. Das belastet ihn aber kaum. Er ist am Telefon ganz genau so, wie man ihn von seinen Auftritten kennt: mit breitester Berliner Schnauze (Kreuzberg, Baby!), enorm hoher Taktzahl und sehr bodenständig, Typ Kumpel. Der einzige Unterschied ist, dass er am Telefon mehr hustet …

XAVER: Mario, heute Abend trittst du in Dresden und morgen in Zwickau auf. Gerade haben wir 30 Jahre Mauerfall gefeiert. Wie ist das bei dir, denkst du noch in Ost/West-Kategorien oder ist das mittlerweile alles eins?
Mario Barth: Na ja, ich sag’ mal so, der jüngste Fan bei mir ist sechs Jahre, wenn ich da von Ost/West erzählen würde, wüsste der ja gar nicht, was ich meine (lacht). Für mich ist das durch und ich würde auch nie sagen: „Ich mach’ jetzt die große DDR-Tour mit Dresden und Zwickau!“

X: Du bist nächstes Jahr 20 Jahre auf der Bühne und hast bestimmt so einiges erlebt.
MB: Natürlich. Ganz am Anfang habe ich auch mal vor sechs Leuten gespielt, da wurde auch mal eine Show abgesagt, weil keiner kam. Irgendwann um die Jahre 2001, 2002, 2003 rum wurde es immer voller, bis es dann irgendwann große Hallen waren. Ich spiele aber auch heute noch kleine Hallen, wobei 2.500 Leute jetzt nicht wirklich klein ist. Aber ich hör oft so Sachen wie: „Früher in Stadien vor 70.000 und jetzt nur noch 3.000 Leute!“, und denk mir: „Lad du doch mal 3.000 Leute zu deinem Geburtstag ein, dann weißt du erst mal, wie viele Leute das sind!“ Man darf da die Relation nicht verlieren … und vor allem machen wir auch gar keinen Unterschied, ob wir in einem Stadion oder in einer Halle sind. Die Leute haben alle Eintritt gezahlt und haben eine tolle Show verdient.

X: Dein 20-jähriges Bühnenjubiläum wird 2020 in der Berliner Waldbühne gefeiert – und ist schon fast ausverkauft. Wie viele gehen denn da rein?
MB: 20.000 Leute.

X: Und das wird ja keine gewöhnliche Show. Kannst du da schon ein paar Details verraten?
MB: Zunächst wollte ich es nicht wahrhaben, als mir mein Büro sagte, dass 2020 das Jubiläum ansteht. Ich dachte erst, dass das ja wohl nicht sein kann – ich mache das doch vielleicht gerade mal fünf, sechs Jahre. Habe dann nachgeschaut und tatsächlich: Am 21. März 2000 habe ich meine erste Show gespielt! Dann war natürlich schnell der Plan da, was Geiles, Großes zu machen und deswegen eben die Waldbühne. Dann habe ich meine Fans gefragt – das kann man ja heute mit Social Media super machen: „Was wollt ihr eigentlich sehen?“ Zur Wahl stand das aktuelle Programm oder, was ich von Anfang an recht geil fand, das allererste Programm „Männer sind Schweine, Frauen aber auch“, das ich eben vor 20 Jahren gespielt habe. Auf CD, DVD und im Fernsehen war es das erfolgreichste Comedy-Programm überhaupt; aber live haben das gar nicht so viele Menschen gesehen, weil ich danach relativ schnell durchgestartet bin und dann schnell ein neues Programm hatte. Und die Leute haben sich tatsächlich für das alte Programm entschieden, was wir jetzt natürlich in einer aktualisierten und aufgepeppten Version bringen. Wenn ich heute Witze über Overground, Preluder und Popstars mache, dann versteht das einfach keiner mehr! (lacht) Und ich habe natürlich alle möglichen Gäste eingeladen, die mich musikalisch unterstützen, die mich teilweise seit 20 Jahren, auch freundschaftlich, begleiten. Es werden also ganz viele Musik-Acts vorher und in den Pausen spielen, eventuell sogar noch nach meiner Show. Eventuell sogar mit mir zusammen. Es wird da auf jeden Fall Sachen geben, die es vorher noch nicht gegeben hat! Das wird also eine Jubiläumsfeier, bei der das alte Programm nicht im Vordergrund steht und das wissen die Leute auch, die sich die Karten geholt haben. Danach spielen wir noch mal 20 Deutschland-Termine mit dem Programm, weil 2020 … 20 Jahre.

X: Wir hatten das schon kurz gestreift: Du hast klein angefangen und dich hochgearbeitet. Gab es diesen Moment, wo du gemerkt hast, dass das jetzt was Größeres wird und du nicht mehr in deinem gelernten Beruf wirst arbeiten müssen?
MB: Ich glaube, man hat das gemerkt, als ich so das fünfte, sechste Mal bei Stefan Raab war, damals bei „TV Total“. Da wurde mir klar, dass das ganz läuft und dass dieses Mann/Frau-Thema in Kombination mit meiner Art, das zu präsentieren, und mit dem Berliner Dialekt funktioniert. Und über die Jahre haben mich jetzt über 8 Millionen Menschen live gesehen, meine Fernsehsendungen sind sehr erfolgreich, ich habe einen Kinofilm gemacht, habe 11 Comedypreise und meine ganzen DVDs und CDs … ob Gold oder Platin. Wenn man sich das so anguckt – und das muss man ab und zu auch – dann sieht man erst mal, was wir über die Jahre gemacht und erreicht haben. Das ist schon eine Sensation!

X: Du bist absoluter Perfektionist, schreibst alle deine Gags selbst und filmst jeden Auftritt mit und analysierst ihn im Nachgang – das hört sich recht stressig an.
MB: Da stellt sich natürlich die Frage, was ist Stress. Es gibt ja positiven und negativen Stress. Mich stresst es, wenn ich im Stau stehe und der Hintermann hupt. Das nervt mich, weil’s einfach bescheuert ist – was soll ich denn machen? Mich samt Auto in Luft auflösen? Aber Arbeitsstress? Ich bin da gar nicht allein damit, Dieter Nuhr macht das zum Beispiel auch ganz akribisch. Der erzählt auch nicht irgendwelchen Unsinn auf der Bühne. Das hat alles Hand und Fuß und er arbeitet da ganz hart dran. Und bei mir ist das auch so. Ich habe tatsächlich von meiner ersten Show bis heute jede einzelne gespielte Show auf Band, alle. Weil ich mir das dann jeden Abend nach der Show jeweils noch mal anschaue und analysiere, wo ich noch etwas verbessern kann. Und ja, ich schreibe bis heute alles selbst und habe kein Autorenteam.

X: Wobei das ja nix Verwerfliches ist. Wenn einer die Bühne rockt und ein toller Performer ist, heißt das ja nicht automatisch, dass er auch tolle Texte schreiben kann.
MB: Eben. Es gibt Comedy-Kollegen, die haben bis heute keine einzige Zeile selbst geschrieben, funktioniert aber super – ich verurteile das gar nicht!

X: Die meisten wären ja schon völlig ausgelastet mit den ganzen Shows im Jahr, aber du hast ja vorhin schon aufgezählt: Kinofilm, DVD-&CD-Produktionen, Fernsehsendungen, außerdem hast du mehrere Bücher geschrieben und aktuell auch noch einen Podcast. Bist du vielleicht einfach nicht so gerne daheim?
MB: (lacht) Grad sitze ich im Auto auf dem Weg zu einer Show und mache ein Telefoninterview mit dir. Neben mir liegt schon mein iPad, auf dem korrigiere ich danach das neue Buch, das im Frühjahr rauskommt. Ich habe heute die Druckfahnen bekommen und die werden jetzt korrigiert. Gar nicht mal in Sachen Rechtschreibung, sondern ob mir das optisch alles so gefällt und ob mein Text eventuell verändert wurde. Ich habe ein fotografisches Gedächtnis und weiß ganz genau, was ich geschrieben habe und mir würde auffallen, wenn da ein Satz rausgenommen wurde. Und in der Zeit, wo andere vielleicht – was weiß ich – rauchen oder pennen oder so, da sitz ich halt und schreibe. Und das hört sich immer gewaltig viel an, was ich so mache, ich bin aber auch wirklich gern zu Hause und ich versuche dann schon auch, zu kompensieren.

X: Kurz zum neuen Buch: Was wird das denn? Sachbuch, Roman oder gar ein Lyrikband?
MB: Nee, ist tatsächlich ein Sachbuch. Und zwar habe ich, nicht alleine, sondern mit einigen Psychologen, Paartherapeuten und Biochemikern, herausgefunden, wie eine perfekte Beziehung funktioniert. Die gibt es tatsächlich. Und zwar gibt es eine Naturregel, wenn man die einhält, bleibt man mit dem Partner beziehungsweise der Partnerin bis zum Lebensende zusammen – sollte man das denn wollen. (lacht)

X: Und das Buch kostet dann 1.000 Euro pro Stück?
MB: Nee. (lacht) Aber ich beschäftige mich jetzt schon seit vielen Jahren mit dem Thema und wir lachen da ja immer drüber, was auch total wichtig ist. Aber ich habe mir halt mal die Frage gestellt, warum es diese Unterschiede gibt. Warum gehen Frauen, also die allermeisten von ihnen zumindest, so gerne shoppen? Und warum hassen die meisten Männer das und bekommen dabei Schweißausbrüche und sind völlig genervt? Das muss doch an irgendwas liegen!

X: Hast du in deiner Arbeit als Komiker Vorbilder, die vielleicht auch dazu geführt haben, dass du selbst auf die Bühne wolltest?
MB: Also der Auslöser, und das muss man ganz fairerweise sagen, war Michael Mittermeier. Den habe ich im Fernsehen im Quatsch Comedy Club gesehen mit seinem blauen T-Shirt, der schwarzen Lederhose und seinem Käppi. Ein frecher junger Mann, der auf der Bühne hin- und herrannte und mit kieksiger Stimme ganz witzige Sachen und „verbotene“ Geschichten erzählte. Dass das jetzt aber ein Vorbild war, das ich unbedingt treffen und kennenlernen wollte – so war das nicht. Ich wollte ja auch nicht der zweite Mittermeier werden. Mir reichte der erste Barth!

X: Geld ist heute wohl kein Problem mehr für dich, du machst auch nicht alles für Geld. Carsten Maschmeyers AWD hast du eine Absage erteilt – warum?
MB: (lacht) Geld … Wenn du welches hast, ist es alles total einfach. Aber ich hatte ja nicht immer welches. Ich komme aus ganz einfachen Verhältnissen. Wir hatten gar nix. Daher weiß ich bis heute, was es heißt, wenn man wenig hat. Und Geld sollte nicht die Motivation sein, bei dem, was man tut. Das ist auch bei keinem sehr erfolgreichen Menschen so. Bill Gates hat seine Computerfirma nicht gegründet, weil er der reichste Mann der Welt werden wollte. Sondern er hatte Bock und hat sich gefragt, warum er immer zu so einem Rechenzentrum rennen musste und warum es denn keinen Computer für Zuhause gibt. Den hat man zuerst ausgelacht und jetzt ist er wahnsinnig reich. Und das ist bei der Comedy ganz ähnlich. Was sich aber geändert hat, im Vergleich zu früher, ist, dass junge Talente heute direkt einen Manager haben und ganz genau wissen, was sie für eine Gage haben wollen. Ich bin damals aufgetreten und habe erst danach gefragt, was es an Gage gibt. Und Mittermeier und Nuhr und all die anderen Großen haben das auch so gemacht.

X: Hast Du ein Social-Media-Team oder machst du auch das selbst?
MB: Nee, das sind ja mittlerweile so viele Kanäle, das schafft eine Person ja gar nicht allein; da habe ich ein Team. Ich bin da schon auch ab und an unterwegs, wobei eher bei Instagram als bei Facebook. Bei Instagram sind der Ton und der Umgang miteinander deutlich besser als bei Facebook. Ich weiß nicht warum, aber ich höre das von vielen anderen Prominenten auch so.


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