Die Liböö, die Liböö, die Liböö: ZAZ

Isabelle Geffroy wurde am 1. Mai 1980 in Tours (Frankreich) geboren. Schon früh war für sie klar, dass sie Sängerin werden würde und mit sieben Jahren nahm sie bereits erfolgreich an einem Radio-Casting teil. Nach einem Studium und einer Zeit mit der Latin-Rockband Don Diego arbeitete sie in einer Piano-Bar und machte auch immer wieder mal Straßenmusik. Und dann kam der Durchbruch mit „Je veux“; seitdem kennt man sie als Zaz (wobei der Name den ewigen Kreis darstellen soll, vom Z zum A und wieder weiter zum Z …). Sie ist ein engagierter Mensch, sehr vielseitig interessiert und kreativ und dabei vor allem auch stets in Sorge um die Natur und das Gemeinwohl. Eine unkonventionelle Künstlerin und neben ihrer unverwechselbaren Stimme ist das sicher auch Teil ihres Erfolges. Ende Juli kann man sie in Ludwigsburg live erleben.

XAVER: Hallo Isabelle. Schön, dass Du Dir Zeit für das Interview nimmst. Die nächsten Konzerte sind erst Mitte Juni in Osteuropa. Lädst Du gerade Deine Batterien bei einem Kurzurlaub auf, oder probst Du vielleicht für die nächsten Konzerte?
ZAZ: Ja, danke schön. Ich habe am Ufer eines Sees neue Kraft getankt, alleine, einfach nur gemalt, abends mit dem Gesang der Eistaucher im Hintergrund … das pure Glück! Die Probenphase haben wir schon hinter uns und drei Konzerte in Polen und Bulgarien gespielt. Es ist toll, wieder mit meinem Team zusammen auf der Bühne zu sein - und vor allem das Publikum zu erleben. Und so wieder all diesen Enthusiasmus und die Liebe zu spüren.

X: Bist Du Frühaufsteher und erledigst solche Sachen gleich morgens? Oder bist Du eher Nachtmensch und setzt Dich am Ende des Tages an so ein Interview?
Z: Am Morgen bin ich zu nichts zu gebrauchen! Also eher abends oder meist sogar erst übermorgen!

X: Auf Deiner aktuellen CD/DVD finden die Fans nicht nur Auftritte der letzten Welttournee, sondern es geht auch um den wichtigen Zusammenhang zwischen Natur, Mensch und Musik. Du nutzt Deine Prominenz, um die Welt ein Stückchen besser zu machen?
Z: Ja, damit das alles wenigstens zu etwas nützlich ist! Dieser Medienrummel kann ja auch von unglaublichem Vorteil sein, wenn man ihn gut einzusetzen weiß. Ich liebe alles Lebende und habe Lust, es zu beschützen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Es gibt viele Vereine und Organisationen, die sich für die Welt einsetzen, damit respektvoller mit allem Lebenden auf der Erde umgegangen wird. Vereine mit faszinierenden Projekten, die so sinnvoll sind. Ich habe das Projekt Zazimut ins Leben gerufen und nutze meine Popularität, um diese tollen Organisationen ins Licht zu rücken und ein Netzwerk zu errichten. Ich glaube, dass Veränderungen im Kleinen vor Ort beginnen. Wenn man sich dann zusammenschließt, bündelt das die Kräfte und Leidenschaft - und das ist toll.
X: Mit Zazimut unterstützt Du in den Städten Deiner Shows lokale gemeinnützige Projekte. Und zwar mit den Erlösen aus dem Merchandise. Andere Künstler versuchen in der Zeit, in der sie so richtig populär sind, so viel Geld wie möglich zu verdienen. Dir ist Geld nicht ganz so wichtig, oder?
Z: Das Problem ist nicht das Geld, sondern die Motivation. Geld an sich ist nichts Schlechtes. Wenn es aber ein Bedürfnis wird, um einen Mangel, eine Angst zu kompensieren oder wenn es dazu dient, mehr persönliche Macht zu erlangen, dann denke ich, dass es gefährlich ist. Wenn es dazu dient, gute Projekte ins Leben zu rufen, also Aktionen zum Wohle aller, dann ist es ein Mittel, das es erlaubt, etwas zu beschleunigen. Ich bin dankbar dafür, Geld zu verdienen. Es ermöglicht mir Projekte aufzubauen, die mich glücklich machen. Ich habe beschlossen, die Erlöse für Zazimut zu nutzen, weil ich es liebe, was es Gutes bewirkt. Diese Verbindung untereinander, die Projekte, das Publikum, und der gute Zweck - das macht mich glücklich!
X: Weißt Du denn, was die Eintrittskarten und die T-Shirts bei Deinen Konzerten kosten, oder kannst Du Dich um solche Details gar nicht mehr kümmern?
Z: Ja, natürlich achte ich auf all das, damit ich mir sicher sein kann, dass das alles in meinem Sinn läuft. Aber der Tourmanager und das Team von Zazimut kennen meine Einstellung zu all dem und sie achten darauf. Wir arbeiten da alle sehr gut zusammen.

X: Du wusstest ja schon sehr früh, dass Du einmal Sängerin werden würdest. War die Schulzeit für Dich dann nicht eher anstrengend oder vielleicht sogar langweilig?
Z: Ich glaube, dass meine Langeweile daher kam, dass die angewandte Pädagogik nicht zu mir gepasst hat. Es muss da wirklich ein großes Umdenken im Bereich der Erziehung stattfinden. Das System muss sich dem Kind anpassen, nicht umgekehrt. Dieses Thema beschäftigt mich besonders und ich habe fest vor, dabei zu helfen, Projekte zu entwickeln, um eine andere Pädagogik voranzubringen. Die Leute sollen erfahren, dass es eben auch andere Arten des Lehrens gibt. Das ermöglicht Kindern, zu denen das klassische System nicht unbedingt passt, sich mehr zu entfalten, kooperativer zu sein und leichter ihren Platz zu finden.
X: Und Deine Eltern haben Dich in Deinem Wunsch immer uneingeschränkt unterstützt? Oder hatten sie vielleicht andere Pläne für Dich?
Z: Wenn man mich singen sieht, merkt man, dass genau da mein Platz ist. Meine Eltern wollen nur das Beste für mich, und dass ich glücklich bin - und wenn ich singe, bin ich glücklich.

X: Deutschland war eines der ersten Länder, in dem Du richtig Erfolg hattest. Gibt es Städte oder Orte, die Dir hier bei uns besonders gut gefallen haben?
Z: Ja, natürlich, denn ich habe ja eine lange Beziehung zu Deutschland. Ich kenne mein Publikum. Das ist eine Beziehung, die sich allmählich durch meine Konzerte aufgebaut hat; ich bin auf Euren Straßen gereist, ich habe Städte, Landschaften, Orte entdeckt. Ich bin aber immer so viel unterwegs, dass ich mich nicht an alle Ortsnamen erinnern kann. Ihr versteht es, Orte so einzurichten, dass man sich wohlfühlt. Ich mag Euren Sinn für Gemeinschaft und außerdem gibt es so viele grüne Flecken, die ich liebe! Ich erinnere mich insbesondere an einen außergewöhnlichen Abend mit meinem Team in einem Münchener Biergarten, wo die Menschen verkleidet waren und traditionelle Kleidung trugen!

X: Du beherrschst offensichtlich auch ein paar deutsche Sätze. Hast Du vielleicht sogar ein Lieblingswort?
Z: Die Liböö, die Liböö, die Liböö!

X: Du bist als Künstlerin und auch privat viel auf Reisen, schaust Dir die Welt an. Vor einiger Zeit hast Du es sogar fast bis ganz auf den Gipfel des Montblanc geschafft. Ging das einfach so, oder musstest Du Dich speziell vorbereiten?
Z: Ich habe mich sechs Monate lang sehr ernsthaft darauf vorbereitet, indem ich zusätzlich zu meinen Konzerten sehr viel Sport getrieben habe. Das wird eine unvergessliche Erinnerung bleiben. Das war alles andere als ein Spaziergang, aber dafür auch so bereichernd. Auf dem Dach Europas „Je veux“ zu singen mit dem Kontrabass und der Gitarre, welche Guides auf ihrem Rücken nach oben getragen hatten, war ein verrücktes Projekt. Ich warte schon auf das nächste!

X: Bist Du denn ein ehrgeiziger und disziplinierter Mensch oder vermisst Du auch immer wieder die Zeit, in der Du Straßenmusik gemacht und einfach in den Tag hinein gelebt hast?
Z: Ich lebe von Tag zu Tag! Auch wenn mein Terminplaner überladen ist. Ich habe festgestellt, dass das alles ist, was mir wichtig ist. Und ich bereue auch nichts, denn ich entwickle mich immer weiter.
X: Hast Du Dich nach Deinem Durchbruch denn noch einmal in einer Stadt in eine Fußgängerzone gestellt und vielleicht sogar unerkannt Musik gemacht?
Z: Ja, manchmal mache ich das immer noch mit den Jungs aus meinem Team. Das macht viel Spaß, aber mit dem engen Zeitplan ist es selten möglich.
Und außerdem wird es sehr schnell ziemlich stressig, die Leute wollen ja alle Autogramme und Fotos …

X: Bevor Du als Zaz den Durchbruch geschafft hast, warst Du in verschiedenen Bands und Ensembles aktiv. Schon als Kind hattest Du aber den Traum Sängerin zu werden. Bist Du heute am Ziel angekommen?
Z: Man entwickelt Träume, immer wieder neue. Für mich ist nicht das Ankommen wichtig, sondern der Weg, der zum Ziel führt: Ich befinde mich auf meinem Weg und ich kenne ihn.

X: Du hast lange in Bordeaux gewohnt, bist aber vor ein paar Jahren nach Paris gezogen. Hat Dich die Stadt so begeistert, dass Du direkt ein Album mit bekannten Songs über sie machen wolltest? Oder stand die Idee vorher schon im Raum?
Z: Das Album „Paris“ ist zufällig entstanden. Wir sind zusammengekommen und ich habe meinem Team erzählt, dass ich oft nach einem Album gefragt werde, das die alten französischen Lieder wieder aufgreift. Alle waren Feuer und Flamme. Mein Kompositionspartner hat vorgeschlagen, die Songs mit Jazz zu verbinden. Gleich danach habe ich mit Quincy Jones darüber gesprochen, mit dem ich schon seit Langem zusammenarbeiten wollte und so ist das Konzept von „Paris“ ganz von selbst entstanden. Auch um meinem Publikum im Ausland danke zu sagen. Sie haben mich oft auf Paris angesprochen und für mich war es eine Gelegenheit, mich bei dieser schönen Stadt zu bedanken, die mich mit allem, was sie an Möglichkeiten bietet, inspiriert: Freiheit, Poesie, Schönheit. Und ich vergesse nicht, dass Paris mich berühmt gemacht hat.
X: Du hast Produzenten-Legende Quincy Jones erwähnt. Wie war Euer erstes Treffen?
Z: Ganz einfach und entspannt. Wir waren uns ganz schnell sympathisch. Er ist ein Instinktmensch und intuitiv wie ich, folglich war es trotz Sprachbarriere ganz einfach. Wir haben Musik miteinander geteilt, wir haben uns geneckt und viel gelacht. Und dann war da noch John Clayton, seine rechte Hand, der die Big Band dirigiert hat. Es war faszinierend sie mit so viel Enthusiasmus arbeiten zu sehen! Ich habe es geliebt!
X: Bist Du selbst Fan von Quincy Jones Arbeit und was sind Deine Favoriten?
Z: Natürlich! Ich habe größten Respekt vor seiner Arbeit und seiner Geschichte!

X: Man vergleicht Dich schon immer gerne mit Edith Piaf, Dir ist dieser Vergleich mittlerweile aber eher lästig. Gab es denn in Deinem Künstlerleben ein Vorbild? Jemand den Du bewundert hast und dem/der Du nachgeeifert hast?
Z: Seltsamerweise habe ich die Piaf und die französischen Chansons erst sehr spät entdeckt, als ich in einer Piano-Bar gearbeitet und Lieder für Touristen gesungen habe. Ich stand eher auf Whitney Houston, Lauryn Hill, Ella Fitzgerald, Bobby McFerrin, Björk (das Album „Gling-Gló“), The Doors und Latino-Musik …

X: Deine Stimme ist unverwechselbar, Dein Instrument und Dein Kapital. Du hattest Gesangsunterricht und gibst bestimmt besonders auf Deine Stimme acht. Gibt es Sachen, die Du auf Tour nicht machen darfst?
Z: Ich habe schon sehr lange keinen Unterricht mehr genommen. Klar, es macht mir jedes Mal Freude, Fortschritte zu machen und Neues auszuprobieren. Aber dafür braucht man Zeit! Für mich ist Schlafen das Wichtigste, denn dann kann sich die Stimme erholen!
X: Ich habe gelesen, dass Du immer mal wieder mit dem Rauchen und dem Trinken aufhörst. Was gönnst Du Dir an einem besonderen Tag, wenn es etwas zu feiern gibt?
Z: Ich habe vor einigen Monaten beschlossen ganz mit dem Rauchen und dem Trinken aufzuhören und bin darüber sehr glücklich. Ich bin ein exzessiver Mensch, also gilt für mich: ganz oder gar nicht. Die Leute denken, das sei nervig, aber in Wirklichkeit ist es genial. Ich fühle mich präsenter und bewusster in dem, was ich erlebe. Ich profitiere noch mehr und außerdem achte ich auf mich selbst. Und das ist wirklich das Beste, was man machen kann.

X: Hier in Deutschland sind französischsprachige Songs im Radio immer noch die Ausnahme. Ich vermute, das ist in Frankreich mit deutschsprachigen Bands ähnlich. Welche deutschen Bands fallen Dir auf Anhieb ein?
Z: Rammstein. Ich habe vor Kurzem das Konzert im Hippodrom von Paris gesehen und das ganze Publikum hat die Lieder auswendig gesungen! Das war genial! Übrigens habe ich Till kennengelernt, den Sänger, er ist wirklich liebenswert, sehr nett. Diese Begegnung hat mich sehr berührt.

X: Auf Tour verbringt man abseits der Bühne ja viel Zeit mit Warten. Wie verbringst Du diese Zeit? Liest Du viel, surfst Du im Netz oder schaust Du vielleicht Serien?
Z: Ich höre viel Musik. Ich lese. Ich beantworte 10.000 Mails. Und ich meckere herum! Wir sind ein super Team und machen viele Witze, wir amüsieren uns gut und wir lachen viel!
X: Was waren Deine letzten Entdeckungen im Bereich Film, Musik und Buch?
Z: Ich habe eine super Doku gesehen: Alive inside (https://vimeo.com/80114021). Da geht es um die Kraft der Musik in Bezug auf das Erinnerungsvermögen von Menschen mit Alzheimer oder Demenz. Es wird gezeigt, wie sie ihre Erinnerungen und ihre Lebensfreude wiederfinden. Wow!!! In Sachen Musik bin ich beim Album von Emilie Nicolas hängen geblieben, das ist wirklich sehr gut produziert. Und was Bücher betrifft, so lese ich derzeit viel über Erziehung. Ich habe mir kürzlich ein Buch von Peter Gumbel gekauft. Er ist quer durch Frankreich gereist, um Lehrer und Erzieher zu treffen, die andere pädagogische Methoden vorschlagen. Es gibt zahlreiche Wege, die Krise des Erziehungssystems zu überwinden.

X: Wie steht es bei Dir mit dem Schauspielern? Prominente machen ja oft den Schritt ins andere Genre und Du hast bestimmt schon entsprechende Angebote bekommen. Wann sehen wir Dich also im Kino?
Z: Das ist etwas, was mich tatsächlich sehr interessieren würde. Ich würde viel über mich selbst erfahren und ich glaube, dass mir dadurch weitere Werkzeuge für meinen Beruf als Sängerin gegeben würden, es könnte mir Perspektiven eröffnen, um Dingen und Emotionen auf den Grund zu gehen. Aber ich möchte das nicht um jeden Preis machen. Ich warte auf eine Rolle, eine interessante Geschichte, ein Projekt, das mich berührt und das mich anspricht. Kurzum, es muss mein Herz ansprechen und einfach passen.

X: Und zum Abschluss vertauschen wir kurz die Rollen: Was wolltest Du denn Dein Publikum schon immer mal fragen!?
Z: Ist Euch klar, wie viel Macht und Kraft man hat, wenn man sich zusammenschließt für eine Sache, die Gutes bewirkt? Es klingt vielleicht banal, aber es ist so wahr: Aus vielen kleinen Bächen entspringen die großen Flüsse.



Text: Tom Jentsch, Übersetzung: Felix Reil und Schüler des Französisch-Kurses der Kursstufe 1 des Kopernikus-Gymnasiums Wasseralfingen


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