Anti-Aging dank Rammstein: Heino

Heino - eigentlich Heinz Georg Kramm - kennt jeder, den muss man niemandem vorstellen. XAVER hat über die Jahre immer mal wieder versucht, einen Interviewtermin zu bekommen und im Vorfeld seines Auftritts auf dem Cannstatter Wasen im Oktober hat es tatsächlich geklappt. Das Gespräch läuft über den Mobilanschluss seines Managers Jan Mewes. Wenn man dessen Nummer anwählt, läuft direkt Heinos Megahit „Blau blüht der Enzian“ in der Warteschleife - verwählt habe ich mich also schon mal nicht, die Verbindung ist leider aber auch nicht so dolle. Herr Mewes gibt direkt an Heino weiter. Der ist gut gelaunt, aufmerksam bei der Sache, aber eben auch durch und durch Vollprofi.

Heino: Hier ist der Heino!
XAVER: Heino, wie geht es Ihnen denn?
H: Ja, mir geht es gut. So gut, wie es eben einem Menschen geht, der 75 ist.
X: Aber Sie sind gesund und freuen sich Ihres Lebens?
H: Das ist richtig, ich habe noch keine Wehwehchen!
X: Sie gastieren im Oktober auf dem Stuttgarter Volksfest, dem Cannstatter Wasen. Gibt es etwas, was Sie besonders mit Stuttgart verbindet?
H: Also ich fahre seit Anbeginn meiner Karriere Mercedes. Und ich bin auch oft in Stuttgart gewesen, auch den Cannstatter Wasen habe ich oft erlebt. Freunde wohnen in Stuttgart, ich beobachte den VfB, auch wenn der gerade wieder verloren hat … Und ansonsten ist mir Stuttgart sehr sympathisch und in bester Erinnerung.
X: Sie waren kürzlich mal wieder groß in den Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass Sie bei der nächsten Deutschland sucht den Superstar-Staffel neben Dieter Bohlen in der Jury sitzen werden. Verfolgen Sie denn die Sendung selbst seit Jahren?
H: Ach, verfolgen wäre jetzt übertrieben gesagt, aber ich kenne die Sendung, ich habe sie oft gesehen. Einfach weil mich das interessiert, was da an Nachwuchs auf uns zukommt. Aber ansonsten haben die mich angefragt, ich habe mich sehr darüber gefreut und jetzt muss ich das alles über mich ergehen lassen. Ich weiß nicht so genau, was da auf mich zukommt, aber ich weiß, dass der Dieter ein sehr netter Zeitgenosse ist. Wir kennen uns zwar nicht richtig gut, aber wir sind uns mehrfach über den Weg gelaufen, er ist ein Netter.
X: Wissen Sie denn auch schon, wer neben Ihnen und Herrn Bohlen noch in der Jury sitzt?
H: Das kann ich Ihnen jetzt nicht sagen. Ich weiß erst mal nur von Dieter Bohlen und mir.
X: Hätten Sie sich denn am Beginn Ihrer Karriere ein derartiges Sprungbrett wie eine Castingshow gewünscht?
H: Ach, gewünscht vielleicht schon. Aber am Anfang meiner Karriere hätte ich mir das gar nicht zugetraut. Es gab wohl damals auch schon Möglichkeiten sich derart vorzustellen, aber das war nie so meine Art. Ich habe mich für so was gar nicht gut genug gefühlt!
X: Ach, wirklich? Man hat immer so den Eindruck, als ob Sie sehr selbstbewusst und -sicher wären!? Waren Sie sich Ihrer Sache anfangs also vielleicht gar nicht so sicher?
H: Nein, gar nicht. Ich habe ja Bäcker und Konditor gelernt. Dann in den 60er-Jahren ein Trio gegründet und bin übers Land gezogen. Dann habe ich Ralf Bendix (eigentlich Karl Heinz Schwab, selbst Schlagersänger, Komponist und Texter, er gilt als Heinos Entdecker - Anmerk. d. Verf.) kennengelernt. Der fand, dass ich gut singen kann, und hat mich bei einer Schallplatten-Firma vorgestellt. 1965 wurden die ersten Aufnahmen gemacht, das Volkslied „Jenseits des Tales“ war das. Und das wurde auf Anhieb ein Hit. So hat die englische Plattenfirma Electrola mich dann also für zehn Jahre unter Vertrag genommen und der Vertrag wurde später dann um weitere zehn Jahre verlängert. Und so begann meine Karriere.
X: Und dann war es also auch schnell vorbei mit Bäcker und Konditor!
H: Naja, Bäcker und Konditor war sowieso nicht mein Wunsch gewesen. Aber meine musikalischen Wünsche haben sich erfüllt.
X: Mit 75 die erfolgreichste Phase der eigenen Karriere zu feiern, ist den wenigsten so vergönnt. Grinsen Sie denn dieser Tage viel, wenn Sie sich morgens im Spiegel sehen?
H: Ach, wenn ich aufstehe, und mich dann im Spiegel sehe, habe ich das Gefühl, dass ich auch noch weiterschlafen könnte. Aber im Grunde genommen bin ich doch recht zufrieden mit mir - es hätte schlimmer kommen können!
X: In Deutschland kennt Sie nun wirklich fast jedes Kind mit dem unverwechselbaren Bariton, der Sonnenbrille und der blonden Haarpracht. Aber wie sieht denn so ein typischer Tag in Ihrem Privatleben aus?
H: Ach wissen Sie, ich stehe morgens auf. Dann gehe ich mit meiner Frau erst mal frühstücken. Wir wohnen ja über einem Café in Bad Münstereifel. Und da meine Frau das Frühstück nicht macht, weil ich gesagt habe „Wir sind so selten zu Hause, da musst Du Dich nicht in die Küche stellen, wenn wir mal daheim sind“ gehen wir also ins Café. Und dann beginnt mein Arbeitstag: Ich gehe in mein Musikzimmer, da wird dann ein bisschen Gitarre gespielt und gesungen. Dann wird über neue Produktionen nachgedacht - ich bin gerade bei der Produktion des nächsten Albums.
X: Wenn Sie sagen, Sie stehen morgens auf - sind Sie Frühaufsteher oder schlafen Sie lieber aus?
H: Nein, ich schlafe mich aus. Was soll ich um acht oder halb neun aufstehen, wenn ich problemlos bis zehn, halb elf schlafen kann?
X: Oh, da wird Sie so mancher drum beneiden!
H: Ja, aber ich habe mir das erarbeitet. Das ist ein Wunsch, den ich schon immer hatte; als Bäcker musste ich sehr früh aufstehen - um halb vier, weil um vier der Dienst begann - und da dachte ich mir, dass ich das aber nicht mein Leben lang so machen will. Und so teile ich mir mein Leben heute so ein, dass ich sehr lange schlafen kann.
X: Ihr aktuelles Album „Mit freundlichen Grüßen“ enthält ausschließlich Coverversionen deutscher Pop/Rock/HipHop-Bands und ist das erfolgreichste Ihrer Karriere. Wie kam es zur Idee dieses Albums?
H: Ach die Medien haben über meine Konzerte immer geschrieben, dass da nur alte Leute hinkommen. Dabei war das nie der Fall, es waren immer auch viele junge Fans da. Da ich aber auch viel mit jungen Leuten zusammen bin, ist in mir die Idee gereift, direkt etwas für ein junges Publikum zu singen. Bis dato hatte ich ja immer eher für mein älteres gesungen. Ich habe mir dann also mit meinem Manager, der halb so alt ist wie ich, die Hitparaden (er meint wohl die Charts, Anmerk. d. Verf.) aus den 80er- und 90er-Jahren angeschaut und danach ein entsprechendes Repertoire herausgesucht. Das stellten wir dann der Schallplattenfirma vor und legten dann einfach mal los - mit freundlichen Grüßen.
X: Der Untertitel ist aber doch „Das verbotene Album“. Wie kam der denn zustande?
H: Für Fernseh- und Werbungszwecke brauchten wir die Erlaubnis der Rechteinhaber der einzelnen Songs. Das haben die uns aber nicht gestattet; mein Manager hat überall Gespräche geführt und nur negative Erfahrungen gemacht bzw. Reaktionen bekommen. Die wollten das verbieten und die Plattenfirma hat dann auch gezögert, das herauszubringen. Deswegen dieser Untertitel.
X: Es wurde dann aber ein riesiger Erfolg. Gab es im Nachhinein Künstler, die Sie gecovert haben und die sich dann bei Ihnen gemeldet und ihre Meinung dazu gesagt haben?
H: Nein, so was passiert nicht. Künstler rufen nicht andere Interpreten ihrer Songs an und besprechen das dann miteinander. Die einzigen, die sich gemeldet haben - und daran sieht man ja auch, dass das richtige Profis sind - waren Rammstein. Die haben mich sofort nach diesem Riesenerfolg in meinem Hamburger Büro angerufen und wollten wissen, ob ich mir vorstellen könnte, mit ihnen in Wacken zu singen. Und das konnte ich mir natürlich vorstellen! Und ich muss sagen, es war für uns ein Riesenerfolg. Ich habe nette Kollegen und Profis kennengelernt, die mir sehr viel Respekt und Toleranz entgegen gebracht haben. Und ich muss sagen, ich habe in der Branche noch nie so nette Kollegen gehabt wie Rammstein!
X: Haben Sie denn noch Kontakt zur Band?
H: Nein im Moment machen die ja glaube ich gerade Pause, wollen sich zwei Jahre komplett aus dem Geschäft zurückziehen und deswegen haben wir momentan keinen Kontakt.
X: Aber dieser Wacken-Auftritt war wahrscheinlich die größte Menschenmenge, vor der Sie je aufgetreten sind, oder?
H: Nein, gar nicht mal. Ich habe nach der Wende in Dresden vor 150.000 Leuten gesungen, in Wacken waren es „nur“ 80.000. Aber das war schon eine ganz besondere Sache. Es hat mir sehr gefallen, mich ein bisschen jünger gemacht. Überhaupt habe ich durch das „Mit freundlichen Grüßen“-Album mein Publikum um 40 Jahre verjüngt. So kann’s weitergehen!
X: Haben Sie einen oder mehrere Lieblingssongs auf dem Album?
H: Die Sportfreunde Stiller haben einen Titel, der mir sehr gut gefällt. Da sind aber einige wunderschöne Sachen dabei … Remmler hat einen wunderschönen Titel. Ich habe bei den Aufnahmen auch nur die genommen, wo ich mir gesagt habe: „Das sind schöne Titel, die kann ich singen, die passen zu mir.“
X: Sie haben vorhin schon erwähnt, dass Sie an einem neuen Album arbeiten. Wird das wieder in eine ähnliche Richtung wie „Mit freundlichen Grüßen“ gehen?
H: Ja, das geht musikalisch fast in die gleiche Richtung.
X: Mit der Kurskorrektur in Sachen Musik haben Sie sich auch optisch etwas verändert. Was ist denn eigentlich aus dem lange Zeit charakteristischen roten Jackett geworden? In letzter Zeit sieht man Sie ja meist in Schwarz gekleidet …
H: Das rote Jackett … dem werde ich immer treu bleiben. Das ist über die Jahre ein ständiger Begleiter. Ich fange beim Konzert zurzeit mit den „Mit freundlichen Grüßen“-Liedern an und zum Schluss kommt dann noch mal ein Aufschlag, wo ich mir das rote Jackett anziehe und „Die schwarze Barbara“, „Blau blüht der Enzian“ usw. singe.
X: Wenn man beim großen Internethändler „Heino Kostüm“ eingibt, wird neben dem erwähnten Jackett und der unvermeidlichen Sonnenbrille auch ein Totenkopfring aufgeführt. Wie kam es zu diesem Imagewechsel?
H: Da habe ich natürlich meinen Berater und meine Beraterin - das ist meine Frau Hannelore - gefragt und die haben den Imagewechsel hin zu Lederjacke und Totenkopfring mitentwickelt. Aber ich muss Ihnen sagen, ich fühle mich sehr wohl darin!
X: Rock hat man ja über weite Teile Ihrer Karriere eher nicht mit Ihnen in Verbindung gebracht. Waren Sie abseits Ihres Schlager-Daseins schon immer Rock-Fan? Findet sich da vielleicht sogar etwas in Ihrer privaten Plattensammlung?
H: Nein, das nicht. Aber ich habe die Szene immer verfolgt und wusste somit, was draußen so gespielt wird, was die jungen Leute hören. Aber das war ja auch gar nicht meine Sache, das genau zu verfolgen, denn ich hatte ja mein Publikum. Ich habe meinen volkstümlichen Bereich abgedeckt ...

Und hier brach die Verbindung dann ab. Jegliche Wiederwahlversuche waren leider nicht mehr von Erfolg gekrönt. Dabei wären da durchaus noch ein paar Fragen auf dem Zettel gewesen, u.a. die nach dem fast wortwörtlichen Adolf Hitler-Zitat im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im letzten Jahr. Den Rechtsstreit mit Jan Delay, der ihn in einem Interview als Nazi bezeichnet hat, hat Heino gewonnen und die Entschädigungssumme komplett gespendet. Auch sonst tut der Mann immer wieder etwas für den guten Zweck. Unterm Strich bleibt nach dem Interview ein etwas zwiespältiger Eindruck. Wirtschaftlich hat er sich aber seit Jahrzehnten als sehr gewitzt erwiesen; was auch immer ihm Neider oder Hater so vorwerfen mögen, wenn er seine Kontoauszüge checkt, steht er da wohl locker drüber.


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